Bertelsmann-CEO Rabe zur Zukunft von Gruner + Jahr

Freitag, 31. August 2012
Bertelsmann-CEO Thomas Rabe
Bertelsmann-CEO Thomas Rabe

Nachdem Bertelsmann-CEO Thomas Rabe in der Pressemitteilung zu den Halbjahreszahlen von Europas größtem Medienkonzern auf eine Aussage zu den Turbulenzen bei Gruner + Jahr verzichtet hat, ist er in der anschließenden Telefonkonferenz deutlicher geworden. Zu Nachfolgespekulationen über G+J-CEO Bernd Buchholz will er jedoch keine Stellung beziehen: "Wir werden mit den Jahrs mit der gebotenen Sorgfalt und Ruhe darüber sprechen", sagte er. Buchholz war Mitte der Woche von seinem Posten als Bertelsmann-Vorstand zurückgetreten, jedoch nicht von seiner Position als CEO von Gruner + Jahr. Bertelsmann und die Gründerfamilie Jahr, die 25,1 Prozent der Anteile hält, diskutieren im Moment über die Lage und künftige Ausrichtung des Hamburger Verlagshauses. Die Digitalisierung des Geschäfts steht dabei laut Rabe weit oben auf der Agenda.

Laut "Manager Magazin" geht es in den Gesprächen auch um einen Kauf der Jahr-Anteile durch Bertelsmann. "Bertelsmann steht als Mehrheitsgesellschafter zu Gruner + Jahr. Qualitätsjournalismus ist und bleibt ein Anliegen von Bertelsmann", bekräftigt Rabe wiederum das Engagement des Konzerns. Man werde dem Unternehmen "die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen", um im Kerngeschäft zu wachsen.

Nicht zuletzt eine in letzter Minute gestoppte Investition von Gruner + Jahr bei Yougov soll zu Differenzen zwischen Buchholz und Rabe geführt haben, die letztendlich zum Abgang von Buchholz führten. Gruner + Jahr führt seine Gewinne seit Jahren nach Gütersloh ab, größere Investitionen gab es im vergangenen Jahrzehnt keine.

Anders, als es zuletzt in der Öffentlichkeit ankam, sieht Rabe bei Gruner + Jahr jedoch weniger strukturelle, als vor allem konjunkturelle Probleme. Das Unternehmen musste im 1. Halbjahr einen Rückgang des Operating Ebit um 39 Millionen auf 85 Millionen Euro hinnehmen, allerdings bei nahezu konstantem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. "Der deutliche Rückgang im 1. Halbjahr wird sich so nicht mehr fortsetzen", sagte Rabe mit Bezug auf Gespräche mit dem G+J-Management. 

Grundsätzlich will Rabe mit Bertelsmann weiter wachsen. Am 12. und 13. September wird er mit dem Vorstand in Gütersloh die künftige Strategie präsentieren. Diese sei mit dem Gremien abgestimmt. "Die erforderlichen finanziellen Mittel zur Umsetzung sind vorhanden", bekräftigte er. Zuletzt gab es viele Spekulationen darüber, ob Bertelsmann in der Lage ist, auch größere Investitionen zu stemmen.

Einen Kauf des Wissenschaftsverlag Springer Science & Business Media (SSBM) hält Rabe demnach für machbar, auch wenn das Unternehmen angesichts des gut laufenden Geschäfts "seinen Preis hat". "Wir könnten Transaktionen in dieser Größenordnung stemmen." SSBM hatte bis 2003 als Bertelsmann Springer bereits zu Bertelsmann gehört, und musste seinerzeit für 1,05 Milliarden Euro verkauft werden, um die hohe Verschuldung  zu senken. Springer sei jedoch nur eine Option, um in dem ausgewiesenen Wachstumfeld Business Information voranzukommen. pap
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