Bertelsmann-CEO Rabe will Umbau aus vielen Töpfen finanzieren

Donnerstag, 13. September 2012
Rabe präsentiert Strategie auf dem Management-Meeting in Gütersloh
Rabe präsentiert Strategie auf dem Management-Meeting in Gütersloh

Auf dem lange erwarteten Management-Meeting von Bertelsmann hat CEO Thomas Rabe gestern und heute seine Wachstumsstrategie für die kommenden Jahre vorgestellt. Große Neuerungen blieben jedoch aus. Wie schon bei der Bilanz-Pressekonferenz im März angekündigt, will Rabe den Konzern "zu einem schneller wachsenden, internationaleren und digital führenden Unternehmen" umbauen. Dazu hat Rabe im Stadttheater im Konzernsitz Gütersloh vor rund 500 Managern vier Stoßrichtungen präsentiert. Die Führungskräfte seien nicht weniger als "begeistert von den Zielen" gewesen, so Rabe in einem internen Interview. Diese sind: Stärkung der Kerngeschäfte, digitale Transformation, Auf- und Ausbau von Wachstumsplattformen sowie regionales Wachstum mit einem Ausbau der Geschäfte in Brasilien, Indien, China, aber auch den USA. Darauf basierend wurden 16 strategische Initiativen vorgestellt.

In dem Interview spricht Rabe auch über die Finanzierung. Wie diese aussehen könnte, war zuletzt eifrig in der Presse diskutiert worden: "Klar ist, dass ein Umbau dieser Art nur erfolgreich sein wird, wenn wir dem Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung stellen."

Bertelsmann hatte zuletzt die Rechtsform von einer AG zu einer SE & Co. KGaA verändert. Diese ermöglicht es zum Beispiel über die Börse Eigenkapital aufzunehmen, ohne dass die Eigentümerfamilie Mohn ihren Einfluss aufgeben muss. In den vergangenen Wochen war jedoch die Frage aufgekommen, ob die Familie Mohn einem solchen Schritt tatsächlich zustimmen würde.

Die Mohns kontrollieren direkt und indirekt über die Bertelsmann-Stiftung Europas größten Medienkonzern. Christoph Mohn, 47,  übernimmt zum Jahreswechsel den Aufsichstratsvorsitz des Konzerns und sichert damit zusätzlich den Einfluss der Familie. Seine Mutter Liz Mohn, die ihren Einfluss seit dem Tod ihres Mannes Reinhard Mohn 2009 deutlich gestärkt hat, hat das Amt der Familiensprecherin inne.

Der Umbau soll jedoch nicht nur mit Eigenkapital finanziert werden, sondern mit einem "Mix aus verschiedenen Instrumenten", so Rabe. Neben der Finanzierung aus dem Cash Flow, zu der traditonell die RTL Group den größten Teil beiträgt, kommen laut Rabe aber auch neue Schulden, hybride Finanzierungsinstrumente und Kooperationen mit Private Equity-Unternehmen, wie Bertelsmann sie mit KKR bereits im Musikgeschäft BMG eingegangen ist, in Frage.

Die finanzielle Seite war in den vergangenen Jahren der größte Hemmschuh für Wachstumsinvestitionen bei Bertelsmann: Der Kauf von 25,1 Prozent der Anteile an der RTL Group 2006 belastete den Konzern mit Milliardenschulden, die im Laufe der Jahre zurückgezahlt werden mussten. Die Wirtschaftskrise 2008/09 machte den damaligen CEO Hartmut Ostrowski, der ebenfalls mit dem Ziel angetreten war, mit Bertelsmann stark zu wachsen, zum Sparkommissar. Er wollte den Umsatz von damals knapp 20 Milliarden bis 2015 auf 30 Milliarden steigern. 2011 setzte Bertelsmann - nach Verkäufen von Unternehmenssparten - gerade mal noch 16 Milliarden Euro um. pap
Meist gelesen
stats