Bertelsmann: Börsengang denkbar / Ergebnis sinkt auf 612 Millionen Euro

Mittwoch, 28. März 2012
CEO Thomas Rabe will den Medienkonzern tiefgreifend umbauen
CEO Thomas Rabe will den Medienkonzern tiefgreifend umbauen


Der Medienkonzern Bertelsmann bereitet sich auf einen Börsengang vor. Bereits vor zehn Jahren hatten die Gütersloher unter dem damaligen CEO Thomas Middelhoff darüber nachgedacht, die Pläne dann aber verworfen. Nun wird der seit Januar amtierende CEO Thomas Rabe konkreter: Bis 30. Juni will er die Rechtsform von einer AG in eine SE & Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ändern, um so neue Wege der Kapitalbeschaffung zu ermöglichen - Börsengang nicht ausgeschlossen. Mit der neuen Struktur will Rabe es ermöglichen, dass Bertelsmann Unternehmensanteile auf dem Kapitalmarkt verkaufen kann, ohne dass die Eigentümerfamilie Mohn Einfluss abgeben muss. Die Bertelsmann KGaA soll laut "Handelsblatt" in Hand der Eigentümerfamilie Mohn bleiben. Die Bertelsmann Management SE dagegen, die für das operative Geschäft zuständig ist, wird demnach Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Derzeit gehören Konzern und die Stiftung, die den Großteil der Anteile an der Bertelsmann AG hält, der Familie. Rabe will das Geld nutzen, um neue, lukrative Geschäftsfelder aufzubauen, mit denen vor allem die Abhängigkeit vom stark volatilen Werbemarkt und damit der RTL Group sinkt.

Bertelsmann hat im Geschäftsjahr 2011 weniger verdient als erwartet. Rabe bezeichnete das Konzernergebnis auf der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin als "enttäuschend". Es sank von 656 Millionen Euro im Vorjahr auf 612 Millionen Euro. Der - um die Direct Group bereinigte - Umsatz stieg geringfügig auf 15,3 Milliarden Euro. In den kommenden Jahren will der neue Vorstandsvorsitzende  Europas größten Medienkonzern wieder auf Wachstum trimmen. Eine beschleunigte digitale Transformation, die Erschließung neuer Wachstumsmärkte und die weitere Internationalisierung stehen dabei im Fokus.

"Vorrangiges Ziel ist es, das Unternehmen wachstumsstärker, digitaler und internationaler aufzustellen", kündigt Rabe bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2011 an. "Dies wollen wir über vier strategische Stoßrichtungen erreichen: Erstens über die weitere Konsolidierung und Stärkung unseres Portfolios, zweitens durch eine beschleunigte digitale Transformation unserer Kerngeschäfte, drittens die Bildung neuer Wachstumsplattformen und viertens die Expansion in neue geografische Wachstumsregionen. Auf dieser Basis wollen wir Bertelsmann in den kommenden fünf bis zehn Jahren umbauen."

Rabe will in den kommenden Jahren daher wieder mehr Geld in neue Geschäftsfelder pumpen: Die Investitionen wurden 2011 bereits wieder deutlich erhöht. "Wir werden einen großen Teil unserer Investitionsmittel künftig in Neugeschäfte lenken, für die klare Vorgaben gelten: Sie sollten ein attraktives langfristiges Wachstumspotenzial aufweisen, global angelegt sein und von der Entwicklung der digitalen Medien profitieren", kündigte Rabe an. 

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Die Geschäftszahlen für das abgelaufenen Geschäftsjahr machen deutlich, warum der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef die Transformation des Medienkonzerns zu seiner wichtigsten Aufgabe gemacht hat: Der Umsatz von Bertelsmann stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr nur geringfügig um 1,2 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro. Das Operating Ebit blieb mit 1,75 Milliarden Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 1,83 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite sank von 12,1 auf 11,4 Prozent. Auch das Konzernergebnis blieb mit 612 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 656 Millionen Euro.

Als stabilste Etragssäule von Bertelsmann hat sich einmal mehr die RTL Group erwiesen, die ihren Umsatz trotz überwiegend rückläufiger Werbemärkte um 4 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro steigern konnte. Das operative Ergebnis stieg um 1,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Bei der Buchsparte Random House ging der Umsatz vor allem durch Wechselkurseffekte um 4,3 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück. Durch Einsparungen und den steigenden Anteil von E-Books stieg das operative Ergebnis dennoch auf um 6,9 Prozent auf 185 Millionen Euro.

Größtenteils positive Zahlen kann Bertelsmann für seine deutsche Verlagstochter Gruner + Jahr verkünden: Der Umsatz stieg um 1,2 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Erfreulich: Vor allem das Geschäft in Deutschland läuft wieder rund. Anzeigen- und Vertriebserlöse konnten gesteigert werden. Gestiegene Papierpreise und das schwache Geschäft in Süd- und Osteuropa schlugen allerdings voll auf das operative Ergebnis durch, das um 10,4 Prozent auf 233 Millionen Euro einbrach. Die Zahlen für G+J wurden um die Beteiligung am Tiefdruckunternehmen Prinovis bereinigt, die der Verlag im Juli an das Schwesterunternehmen Arvato abgegeben hat. Der Umsatzanteil des Druckgeschäfts wurde für das Gesamtjahr 2011 bereits bei Arvato ausgewiesen.

Bei der Dienstleistungstochter Arvato stieg der Umsatz um 2,5 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. Das Opertaing Ebit ging um 1,7 Prozent auf 341 Millionen Euro zurück.

CEO Rabe zeigte sich mit dem Geschäftsverlauf insgesamt zufrieden:
"Insgesamt war 2011 ein solides Jahr", erklärte Rabe. "Bertelsmann hat sich einmal mehr als operativ stark und profitabel erwiesen, viele Marktpositionen wurden ausgebaut. Wir werden die Mitarbeiter an diesem Erfolg beteiligen und für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Gewinn- und Erfolgsbeteiligung in Höhe von 107 Mio. Euro ausschütten." dh/pap
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