Bernd Ziesemers Abschied von Hoca CP – und die Hintergründe

Donnerstag, 02. Mai 2013
Bernd Ziesemer verlässt Hoffmann und Campe
Bernd Ziesemer verlässt Hoffmann und Campe


Abschied nach drei Jahren: Bernd Ziesemer, bis 2010 langjähriger Chefredakteur des "Handelsblatts" und seit Ende 2010 einer der Geschäftsführer bei Hoffmann und Campe Corporate Publishing (Hoca CP), verlässt die Kundenmediensparte der Ganske Verlagsgruppe im Frühjahr 2014. Das verkündet das Unternehmen bereits jetzt, bestätigt so eine "Handelsblatt"-Meldung - und lässt durch dieses Procedere indirekt ein paar Hintergründe vermuten. Denn mit der frühzeitigen Ankündigung des prominenten Abgangs nimmt der Verlag Ziesemer, für Kunden und Mitarbeiter weithin sichtbar, schon jetzt aus der Verantwortung für Zukunftsprojekte und macht ihn so zur "Lame Duck", wie es stets unbarmherzig in der Managementsprache heißt. Co-Chefs bei Hoca CP sind Christian Breid und Kai Laakmann.

Ziesemer scheide aus, um sich einer neuen Aufgabe zuzuwenden, teilt die Ganske-Gruppe mit; die Trennung erfolge im freundschaftlichen Einvernehmen. Ziesemer, 59, habe "maßgeblich" zur Entwicklung von Hoca CP beigetragen und "viele positive Akzente nach außen und innen gesetzt", dankt Verleger Thomas Ganske.

Ergänzend erzählt man sich im Verlagsumfeld bereits seit längerem, dass Ziesemer bisweilen so wirkte, als sei er nie so richtig im CP- und damit Dienstleistungsgeschäft angekommen. HORIZONT schrieb dazu vor knapp zwei Jahren (Ausgabe 24/2011): "Nach wie vor scheint er sich auf Podien und in Interviews mehr zu seiner Vergangenheit beim ,Handelsblatt' und zur Zukunft des Journalismus zu äußern als zum Corporate Publishing. Natürlich, Ziesemer wird gezielt gefragt, seine Sätze werden zur Meldung hochgejazzt. Wie sie halt so sind, die Journalisten. Aber Ziesemer lässt sich auch fragen." Er selbst bezeichnete sich da noch gern als "Halb-Journalist". Nach wie vor schreibt er eine wöchentliche Kolumne fürs "Handelsblatt".

Auf seine Agenda bei Hoca CP hatte sich Ziesemer geschrieben, den Mittelstand als neuen Kundenstamm zu erschließen und auszubauen. Große Erfolge dabei sind nicht laut nach außen gedrungen. Umso lauter dafür das Echo auf ein Interview mit HORIZONT (Ausgabe 7/2013) im Februar, in dem Ziesemer die Konkurrenz von Kircher Burkhardt scharf attackiert und des Hochmuts bezichtigt. Dazu musste er sich in der Folge kritische Fragen - auch intern - anhören sowie nicht allzu freundliche Geschichten über sein Business lesen, das nach 25 Millionen Euro 2010 auf zuletzt 21 Millionen Euro Umsatz zusammengeschnurrt sein soll. rp

Meist gelesen
stats