Bernd Runge über "Interview": "Offen für jeden, aber nicht für jedermann gemacht"

Dienstag, 31. Januar 2012
Bernd Runge (rechts) und sein russischer Verlagspartner Vladislav Doronin
Bernd Runge (rechts) und sein russischer Verlagspartner Vladislav Doronin


Seit letzter Woche ist "Interview", das legendäre Magazin der Pop-Art-Ikone Andy Warhol, auch in Deutschland zu haben. Auf den Markt gebracht hat den Titel der ehemalige Deutschland-Chef von Condé Nast, Bernd Runge, der gemeinsam mit dem russischen Geschäftsmann Vladislav Doronin der europäischen Verlagsgruppe Interview vorsteht. Im Interview mit HORIZONT.NET bewertet Runge den Start des Magazins und gibt einen Ausblick auf die Zukunft.

Herr Runge, wie hat Ihnen die Launch-Ausgabe von „Interview“ gefallen?
Hervorragend.

Was ist Ihr Eindruck: Wie kam das Magazin hierzulande an? So gut, dass es gerade schwer fällt, sich zu konzentrieren. Jetzt heißt es auf dem Teppich bleiben und intensiv an den nächsten Ausgaben arbeiten.

Ist der Europa-Start von Interview mehr als nur ein Versuchsballon? Wir haben Interview in Russland und Deutschland gestartet, das sind die für unseren Verlag wichtigsten Märkte. Das ist kein Versuchsballon sondern ernsthaftes Business mit einem langfristigen Geschäftsplan.

Welche Leser wollen Sie mit dem Blatt ansprechen? Wie exklusiv ist ihre Zielgruppe? Wir sind offen für jeden, aber nicht für jedermann gemacht.

Wie bewerten Sie den Wettbewerb am deutschen Markt: Sehen Sie sich in Konkurrenz zu einschlägigen Blättern wie „Gala“ oder „Vogue“? Einschlägig wohl kaum. Natürlich gibt es Überschneidungen mit der „Vogue“, aber keine direkte Konkurrenz.

Entscheidend wird für Sie sein, wie gut die Anzeigenkunden auf „Interview“ anspringen. Wie sind Sie mit dem Anzeigenverkauf bislang zufrieden? Entscheidend ist, ein interessantes und neuartiges Magazin zu machen, die Resonanz der Anzeigenkunden sehen Sie dann im Heft.

Bernd Runge
Bernd Runge
Wie unterscheiden sich das Heft und der Online-Auftritt? Sind auch Apps geplant? Es sind unterschiedliche Medien, die sich sehr gut ergänzen. Ja, auch Apps werden bald umgesetzt.

Wie gestaltet sich der Austausch mit dem russischen Teil des Verlags? Hat eine Seite dabei „den Hut auf“? Es sind zwei eigenständige Organisationen, die für die Medienbranche ungewöhnlich eng und gleichberechtigt zusammenarbeiten.

Können Sie nachvollziehen, dass in Deutschland sämtliche Alarmglocken schrillen, sobald ein Projekt aus Russland finanziert wird? Da schrillen nicht Alarmglocken, sondern stereotype Reflexe oberflächlicher Schreiber.

Wie bewerten Sie die Strahlkraft von „Interview“ außerhalb der USA? Gut.

Welchen Einfluss besitzt das Blatt dort? Das Blatt ist unverändert eine Plattform für außergewöhnliche Fotografie und Interviews. Dementsprechend hoch ist seine Anziehungskraft für Kreative aller Bereiche.

Wie stark orientiert sich die deutsche Ausgabe an der amerikanischen? Vor allem am hohen Anspruch, der handwerklichen Meisterschaft und dem Gespür für Neues.

Welche Aktivitäten rund um „Interview“ wird es noch geben? Jetzt etablieren wir erstmal das Heft.

Sind noch weitere europäische Ausgaben geplant? Mal sehen. Heute nicht. ire
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