Berichterstattung zum CSU-Konvent: ZDF zeigt Reue nach Dobrindt-Beschwerde

Montag, 13. Mai 2013
Claus Kleber und das ZDF räumen Versäumnisse ein (Bild: ZDF/Kerstin Bänsch)
Claus Kleber und das ZDF räumen Versäumnisse ein (Bild: ZDF/Kerstin Bänsch)


Das ZDF hat sich den Zorn von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zugezogen - und zwar offensichtlich nicht ganz zu Unrecht. Der Politiker echauffiert sich in einem Brief an ZDF-Intendant Thomas Bellut darüber, dass im "Heute Journal" angeblich falsche Angaben über den CSU-Parteikonvent gemacht wurden. Die Sendeanstalt räumt in einer Stellungnahme "Fehler der Redaktion" ein, auch Moderator Claus Kleber zeigt sich reuig. Was war passiert? In der "Heute-Journal"-Sendung am 3. Mai sendete das ZDF einen Bericht über den Parteikonvent der CSU in München. In seiner Anmoderation hatte Moderator Claus Kleber behauptet, die Partei habe aus auf der Veranstaltung gezeigten Videos eilig Bezüge zu Uli Hoeneß und dem wegen der "Amigo"-Affäre in der Kritik stehenden Fraktionsvorsitzenden Georg Schmidt herausgeschnitten. Dass es dafür nur eine Quelle gab - laut ZDF den Deutschlandfunk - und die CSU inzwischen dementiert hatte, sagte Kleber nicht. Dobrindt schrieb daraufhin einen Brief an ZDF-Intendant Thomas Bellut, den er auf der CSU-Homepage öffentlich machte. Darin fragt der CSU-Generalsekretär: "Aufgrund welcher Recherche kam der Moderator zu der Behauptung, es seien Szenen aus Videos herausgeschnitten worden?", und: "War dem ZDF das zwischenzeitlich veröffentlichte Dementi der CSU nicht bekannt?"

Die Sendeanstalt reagierte auf Dobrindts Schreiben reichlich zerknirscht: In einem Statement vom Sonntag räumt das ZDF laut "Süddeutscher Zeitung" (Montagsausgabe) ein, dass es für den Hinweis auf "Umschnitte" im Zusammenhang mit Uli Hoeneß nur eine Quelle gegeben habe. Von einem Dementi der Partei habe man nichts gewusst. Es sei ein Fehler der Redaktion gewesen, dass man dazu keine Reaktion von der CSU eingeholt habe, so ein Sendersprecher. Auch Kleber gab zu, die Information mit den umgeschnittenen Videos ungeprüft von anderen Medien übernommen zu haben. "Das hätte mir nicht passieren dürfen", so der ZDF-Anchorman.

In der Stellungnahme kündigte das ZDF an, Dobrindt auch noch förmlich antworten zu wollen. Dabei dürfte die Sendeanstalt zu einem weiteren vom CSU-Gerenalsekretär geäußerten Vorwurf Stellung nehmen. Denn in seinem Brief hatte Dobrindt auch moniert, dass in besagtem Beitrag ein Event-Manager ein Resümee des Parteikonvents ziehen durfte, obwohl die Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt gerade erst begonnen hatte. Dies werde aus den im Hintergrund sichtbaren Eröffnungsrede ersichtlich.

"Teilen Sie die Einschätzung, dass durch die Schnittfolge des Beitrags beim Zuschauer der Eindruck eines abschließenden Urteils über die Veranstaltung erweckt wird, während diese in Wahrheit gerade erst begonnen hatte?", fragt Dobrindt in seinem Brief. Man darf auf die Antwort gespannt sein. Denn diesmal liegt der Fall nicht so klar wie vor einigen Wochen: Damals sendete das ZDF in der "Heute"-Sendung ein Statement zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Presseplatzvergabe beim NSU-Prozess. Das Statement war vor dem Richterspruch eingeholt worden, eine Aufklärung der Zuschauer erfolgte allerdings nicht. Da sich die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts relativ leicht antizipieren ließ, war das Vorgehen des ZDF im Sinne einer optimalen Sendungsvorbereitung wohl erforderlich.

Bei der CSU sieht man sich in der aktuellen Angelegenheit im Recht. Laut der Nachrichtenagentur dpa warf der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer dem ZDF falsche Berichterstattung vor: "Wie wenn man auf der Treibjagd ist, und die Bluthunde wittern eine Blutspur. Da wird nicht mehr links und rechts geschaut, das ist schlimm." Es ist nicht das erste Mal, dass Seehofer gegen das ZDF schießt: Im vergangenen Jahr versuchte sein Pressesprecher Michael Strepp, einen geplanten Bericht des ZDF über den Parteitag der Bayern-SPD zu unterbinden. Nachdem die Sache öffentlich wurde, musste Strepp seinen Hut nehmen. Gegenüber der "Bild" beschwerte sich Seehofer anschließend: "Kein Politiker sollte sich die Freiheit nehmen lassen, auch Journalisten mal zu sagen, wo sie falsch gelegen haben. Das ZDF hat den Vorfall überhöht."

Gleichwohl hat es Seehofer im vergangenen Jahr geschafft, das ZDF und Claus Kleber geschickt für seine Zwecke einzusetzen: Nachdem ein für das "Heute Journal" geplantes Interview beendet war, plauderten Seehofer und Kleber munter weiter, der CSU-Mann redete sich dabei mächtig in Rage über angebliche Versäumnisse der schwarz-gelben Regierungskoalition. Am Ende seines Ausbruches sagte er zu Kleber: "Sie können das alles senden" - was dann auch geschah. ire
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