Beirat von Pro Sieben Sat 1 stößt Informationsformate für junge Zuschauer an

Mittwoch, 23. November 2011
Der Beirat von Pro Sieben Sat 1 mit Konzernchef Thomas Ebeling (4.v.l.)
Der Beirat von Pro Sieben Sat 1 mit Konzernchef Thomas Ebeling (4.v.l.)


Journalistisches Feigenblatt oder ernstgemeinte Informationsoffensive? Pro Sieben Sat 1 hat auf Anregung seines neuen Beirats ein Pilotprojekt beschlossen, das neue politische und wirtschaftliche Informationssendungen für junge Menschen entwickeln soll. Darüber hinaus hat der Beirat medienpolitische Kernforderungen verabschiedet, die freilich voll auf der Linie des privaten Rundfunks liegen. Unter anderem fordert das Gremium ein Werbeverbot für ARD und ZDF. Ziel des Pilotpojektes sei es, "zeitgemäße Formen der Präsentation komplexer Zusammenhänge zu finden". Dabei sollen insbesondere die Vernetzung von TV- , Online- und mobile Medien berücksichtigt werden. "Mit Sendungen wie "Galileo" oder "TV Total Bundestagswahl" haben wir bewiesen, dass Informationsendungen für junge Leute, die sich mit wirtschaftlichen oder politischen Fragen befassen, äußerst erfolgreich sein können - wenn die Mittel richtig gewählt sind", sagt Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1. Dabei sollen junge Journalisten federführend an der Umsetzung beteiligt werden: Geplant ist, die Informationsformate gemeinsam mit einer großen deutschen Journalistenschule und einem Online-Medium über einen Zeitraum von drei Jahren zu entwickeln, ausgestattet wird das Projekt zunächst mit 500.000 Euro.

Noch vor zwei Jahren hatte Ebeling Nachrichten als ein "Zuschussgeschäft" für die TV-Gruppe bezeichnet und damit viel Kritik auf sich gezogen. "Nachrichten sind vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", sagte Ebeling damals in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Im vergangenen Jahr verkaufte Pro Sieben Sat 1 seinen Nachrichtensender N24. Das jetzt gestartete Pilotprojekt dürfte daher auch eine Reaktion auf diese Diskussion sein.

Darüber hinaus hat der im Sommer ins Leben gerufene Beirat des TV-Konzerns in seiner ersten Sitzung "medienpolitische Kernforderungen" verabschiedet. So fordert das Gremium eine Angleichung der Rahmenbedingungen für alle Anbieter audiovisueller Inhalte, eine klare Aufgabenteilung zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk, ein Werbeverbot für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Liberalisierung der Werberegulierung, eine Modernisierung des Medienkonzentrationsrechts sowie eine Modernisierung des Urheberrechts.

Der Beirat von Pro Sieben Sat 1 wurde im Sommer gegründet, "um den TV-Konzern in wichtigen gesellschafts- und medienpolitischen Fragen zu beraten und zu unterstützen". Dem Gremium unter dem Vorsitz des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber gehören Minu Barati-Fischer, Wolfgang A. Hermann, Heike Kahl, Dieter Kronzucker, Markus Lüpertz, Christine Theiss, Klaus Töpfer. dh 
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