Bayern-Boss Rummenigge fordert mehr Geld aus TV-Einnahmen / Sorge um Sky

Montag, 16. August 2010

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München, sorgt sich wenige Tage vor dem Bundesliga-Start am kommenden Freitag um TV-Partner Sky. "Ich mache mir große Sorgen, weil es uns gemeinsam - Liga und Bezahlsender - in 20 Jahren nicht gelungen ist, Pay-TV in Deutschland wirklich zu etablieren", sagt Rummenigge im Interview mit der "Wirtschaftswoche". Kritik äußert der Bayern-Boss dabei an der einstigen Vertriebsstrategie des Abokanals: "Die haben den Fehler gemacht - und das fing schon zu Zeiten von Georg Kofler an -, die Leute praktisch zu Abos zwingen zu wollen, indem sie Sport mit Filmen koppeln." Heute würde Sky zwar einen "klugen Kurs" fahren, indem es einzelne Abos aufwerte, dennoch habe die Liga "lange einen Fehler gemacht, indem wir das Geld genommen und ansonsten Sky das Marketing übergeben haben. Wir müssen aber Einfluss nehmen, wie Fußball verkauft wird."

Wie genau das aussehen soll? Die Antwort bleibt Rummenigge im Interview mit der "Wiwo" schuldig. Stattdessen formuliert der Bayern-Boss einmal mehr die Forderung nach deutlich höheren TV-Erlösen. Derzeit kassiert die Bundesliga zentral aus den Fernsehrechten knapp über 400 Millionen Euro pro Saison - insgesamt 1,65 Milliarden Euro in den vier Jahren der laufenden Rechteperiode. Rummenigge: "Wenn es nicht gelingt, diese Summe beim nächsten Vertrag um 50 Prozent zu steigern, werden wir international Probleme bekommen."

Vom chronisch defizitären Sender Sky dürfte kaum mehr zu holen sein: Sky-Eigner Rupert Murdoch hat gerade erst eine Finanzspritze in Höhe von 340 Millionen Euro für das deutsche Sorgenkind angekündigt, auch 2011 wird der Sender den Planzahlen nach nicht in die schwarzen Zahlen kommen.

In der Liga werden bereits Stimmen laut, das Thema TV selbst in die Hand zu nehmen. "Die Vereine sind stark genug, ein autonomes Bundesliga-Fernsehen auf die Beine zu stellen. Die Liga muss am Szenario eines eigenen Senders arbeiten", fordert Thomas Röttgermann, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg im "Handelsblatt". Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hielt sich mit konkreten Aussagen zu etwaigen Plänen für einen Live-Kanal bislang zurück. Die im vergangenen Jahr erworbene Sendelizenz soll vorerst nur für einen Archivsender genutzt werden. Klar, dass DFL-Boss Christian Seifert hinter den Kulissen auch andere Szenarien entwirft - und sei es nur als Druckmittel im Rechtepoker. Bereits 2011 will die Liga die Medienrechte für die Periode ab 2013/14 neu ausschreiben. mh
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