Bauer will im Web akquirieren / Pragmatisches Bekenntnis zu Erotik-Sites

Freitag, 31. Juli 2009
Bauer-Onlinechef Sven-Olof Reimers
Bauer-Onlinechef Sven-Olof Reimers

Die Bauer Media Group will's im Netz jetzt wissen: Der Hamburger Großverlag peilt in diesem Jahr im Digitalgeschäft einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro an - das wären fünfmal so viel wie noch vor zwei Jahren. Dies schätzt Verleger-Schwiegersohn und Bauer-Onlinechef Sven-Olof Reimers im exklusiven HORIZONT-Interview. Doch selbst dann würde Bauer, im Internet bislang eher verhalten unterwegs, nur rund 2 Prozent des für 2009 erwarteten Konzernumsatzes (2,5 Milliarden Euro) im Digitalen erzielen (Anteil 2007: 0,5 Prozent). Reimers ficht das nicht an: „Als Familienunternehmen sind wir zum Glück nicht darauf angewiesen, schneidige Ankündigungen zu den Digitalumsätzen der Zukunft zu verbreiten." Gleichwohl habe man in den vergangenen zwei Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag ins digitale Geschäft investiert.

Sven-Olof Reimers: Solange Gina Wilde auf kostenpflichtigen Video-on-demand-Plattformen besser konvertiert als Lars von Trier, solange werden wir auch dieses Geschäft weiterführen.“
Das wichtigste Projekt startet in dieser Woche: Das Frauenportal Wunderweib.de, in dem Bauer die Sites seiner 30 Frauenmagazine bündelt. Damit geht der Verlag nach den Programmtiteln (tvmovie.de) und Jugendmagazinen (bravo.de) auch mit seiner größten Heftsparte online - und schaut sich nun nach Kaufgelegenheiten um. Es gebe „jetzt natürlich mehr Raum für gute neue Ideen", bekräftigt Reimers gegenüber HORIZONT, daher beobachte er „intensiv den gesamten Markt". Zudem schauen sich die Bauer-Manager dem Vernehmen nach pro Monat 20 bis 30 Business-Präsentationen an. Am Geld dürfte es jedenfalls nicht scheitern, denn der Konzern gilt als schuldenfrei, die Kriegskasse als milliardenschwer. Reimers: „Unsere Akquisitionsstärke treibt uns nicht zur Eile, zumal die Bewertungen möglicher Kaufobjekte derzeit noch von Monat zu Monat sinken."

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Mehr zu Bauers Digitalstrategie lesen Sie im Interview mit Sven-Olof Reimers in der HORIZONT-Ausgabe 31/2009, die am Donnerstag dieser Woche erscheint.

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Ein ganz spezielles lukratives Paid-Content-Geschäft will er dabei trotz jahrelangen Branchenspotts nicht aufgeben: Erwachsenenunterhaltung - sprich: Sex-Sites. Die Tochterfirma Inter Publish, in der Bauer diese geschäftlichen Umtriebe bündelt, dürfte in diesem Jahr mit rund 5 Millionen Euro etwa ein Zehntel zum Digitalumsatz beitragen. „Solange Gina Wilde auf kostenpflichtigen Video-on-demand-Plattformen besser konvertiert als Lars von Trier, solange werden wir auch dieses Geschäft weiterführen", sagt Reimers. rp

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