Bauer verliert Kündigungsklage gegen Grossisten Mügge / Einigung bei Handelsspannen?

Mittwoch, 13. Mai 2009
Muss Niederlage einstecken: Yvonne Bauer
Muss Niederlage einstecken: Yvonne Bauer

Die Bauer Media Group unterlag an diesem Mittwochmittag vor dem Landgericht Hannover gegen den Pressegroßhändler Mügge in Stade. Dies bestätigte Geschäftsführer Frank Mügge gegenüber HORIZONT.NET auf Anfrage. Der Grossist hatte gegen die Kündigung und den Belieferungsstopp durch den Großverlag Ende vergangenen Jahres geklagt, weil die Kündigung ohne Angabe von Gründen erfolgt sei. Das Gericht habe eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Grossisten, insbesondere dem Bauer-eigenen Pressevertrieb Nord (PVN) gesehen, der seitdem das Mügge-Gebiet mit Bauer-Titeln beliefert, so Mügge. Bei Bauer will man nun „das Urteil prüfen und das weitere Vorgehen festlegen", heißt es in Hamburg. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Großverlag in Berufung geht. Auch der zweite von Bauer gekündigte Grossist - Grade in Elmshorn - hatte dagegen geklagt. Dieses Urteil vom Landgericht Kiel wird im Sommer erwartet.

Beide Verfahren sind Teil einer größeren Debatte mit Grundsatzcharakter: Seit Monaten ringen Bauer und der Bundesverband Presse-Grosso um eine Lösung im Konflikt über neue Handelsspannen - aber in Wirklichkeit geht es um mehr: um die Zukunft von Grundpfeilern des deutschen Pressevertriebssystems, vor allem des Gebietsmonopols der Großhändler. In dieser Woche haben sich die Kontrahenten nach HORIZONT-Informationen aus Verhandlungskreisen vorerst auf neue Konditionen geeinigt. Dieses Thema wollte man bei Bauer nicht kommentieren; der Verband in Köln war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

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Den Informationen zufolge gesteht der Grosso-Verband als Verhandlungsführer nun auch dem Bauer-Verlag die neuen, günstigeren Handelskonditionen zu, die für alle übrigen Publikumsverlage bereits seit März gelten. Zuvor hatte der Verband dies offenbar von Bedingungen abhängig gemacht - unter anderem davon, dass Bauer die Kündigungen von Mügge und Grade rückgängig macht. Gegen diese Bedingungen hat sich wiederum Bauer juristisch zur Wehr gesetzt. Hintergrund des Streits: Vertriebschefin und Verlegertochter Yvonne Bauer macht seit Monaten deutlich, dass sie sich mehr Wettbewerb - und damit bessere Leistungen und niedrigere Vertriebskosten - im System wünscht. rp

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