Bauer testet Filmmagazin „Empire" in Deutschland

Donnerstag, 16. September 2010
Großbritannien gibt das Vorbild ab
Großbritannien gibt das Vorbild ab

Film ab: Die Bauer Media Group kommt am 23. September in Deutschland mit einem neuen Monatstitel auf den Markt - mit dem Filmmagazin „Empire". Das Heft ist eine Adaption und Lizenzausgabe des gleichnamigen Hefts aus dem britischen Verlag Bauer Consumer Media, ehemals Emap. Bauer hatte dessen Publikums- und Radiosparte Anfang 2008 gekauft. Mit „Empire" transferiert der Hamburger Großverlag nun einen ersten Titel aus seinem neuen britischen Portfolio in den deutschen Heimatmarkt. Jedenfalls erstmal testweise in Großstädten. Zunächst soll es bis Jahresende drei Hefte geben, dann will man weitersehen. Hierzulande ordnet Bauer den Titel vorerst in seine Programmie-Gruppe unter Geschäftsführer Ralf Meyke ein. „Empire"-Chefredakteur ist Stefan Westendorp, im Hauptjob in derselben Funktion bei „TV Movie"; Redaktionsleiter ist Filmexperte Jörg Ebach, Westendorps Stellvertreter bei „TV Movie". Kaufmännisch verantwortlich sind Malte von Bülow (Verlagsleitung „TV Movie") und Tina Kopf (Projektleitung).

„Empire", 1989 in England gegründet und dort jüngst zum „Magazine of the Year 2010" erkoren, rühmt sich bester Kontakte zu Filmstudios, Regisseuren und Schauspielern in Hollywood und anderswo - und somit vieler Exklusiv- und Vorab-Berichte, -Interviews und -Fotos. „Die Bibel für Filmfans", heißt es bei Bauer. Nach Verlagsangaben erreichte die englische Ausgabe, die auch in den USA verkauft wird, 2009 eine Durchschnittsauflage von 195.000 Heften, hinzu kommen Lizenzen in Australien (26.000 Hefte) und Russland (40.000). Damit sei „Empire" das größte Filmmagazin der Welt, so der Verlag.

Und nun auch Germany. Hier wird das Monatsheft 3,90 Euro kosten (England: 3,99 Pfund; USA: 9,99 Dollar) und in seiner Erstausgabe mit 112 Seiten erscheinen. Anzeigen sind noch keine im Blatt, denn die Vermarktung startet erst in diesen Tagen. Eine Anzeigenseite kostet 5000 Euro. Bei Buchung aller drei Testausgaben gibt es einen Paketpreis von 10.500 Euro. In Anlehnung an die Leserdaten der englischen Ausgabe argumentiert man bei Bauer auch hierzulande mit zu zwei Dritteln jungen, männlichen, film- und technikaffinen Lesern im Alter von durchschnittlich 30 Jahren. Entsprechend hofft der Verlag auf Werbebuchungen aus den Branchen Unterhaltungselektronik, Film, Automobil und Telekommunikation.

Fragt sich nur, wie groß das Leserpotential ist. Ihre Erwartungen wollen die Verantwortlichen nicht quantifizieren, selbst die Druckauflage bleibt geheim. HORIZONT schätzt diese auf eine knapp sechsstellige Zahl. Nur soviel: „Die Begeisterung für Film, ob im Kino, auf DVD, Blu-ray oder Online, hat in Deutschland in den letzten Jahren weiter deutlich zugenommen", sagt Verlagsleiter von Bülow, „diesem Bedarf tragen wir mit der Einführung von ,Empire‘ Rechnung." Zum Vergleich: Die verkaufte Auflage des Filmmagazins „Cinema" aus dem Hause Burda/Milchstraße liegt aktuell bei 81.757 Heften (IVW II/2010). Zum Start trommelt eine Werbe- und PoS-Kampagne vom Kemper Trautmann für „Empire".

Das Launch-Risiko scheint wegen überschaubarer Investitionen jedenfalls begrenzt: Die Lizenzabgaben bleiben innerhalb der Bauer-Familie, eine eigene Redaktion gibt es erstmal nicht, die technische Infrastruktur teilt man sich mit den Kollegen in London. 90 bis 95 Prozent der Inhalte der deutschen „Empire"-Ausgabe stammen aus dem UK-Heft; das „TV Movie"-Team um Westendorp und Ebach will für die übersetzten Texte einen ähnlich eigenen Duktus finden wie im englischen Stammheft, das oft gleichsam schonungslos wie ironisch daherkommt. Die restlichen 5 bis 10 Prozent der deutschen Inhalte werden selbst produziert, im Premierenheft etwa ein Interview mit dem Regisseur Oskar Roehler. rp
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