Bauer streicht 53 Stellen in Programmie- und "Bravo"-Redaktion / Aus für "Twist"

Freitag, 11. Januar 2013
Unter anderem fallen bei den Programmies...
Unter anderem fallen bei den Programmies...
Themenseiten zu diesem Artikel:

München Bauer Media Group Hamburg FTD FR Berliner Zeitung dapd


Hiobsbotschaft zum Jahresanfang: Andere Verlage haben ihre Stellenstreichungen und andere schlechte Nachrichten im vergangenen November verkündet ("FTD", "FR"/"Berliner Zeitung", "Prinz", dapd) - die Bauer Media Group macht es jetzt im Januar. Insgesamt 53 Mitarbeiter an den Standorten Hamburg und München sind betroffen. Man sei bemüht, für diese Mitarbeiter Alternativen im Unternehmen zu finden, heißt es. Konkret geht es erstens um die Tochterfirma Programm Team Gesellschaft (PTG), den hauseigenen Dienstleister für die Aufbereitung von Fernsehprogrammdaten für die Tabellen der Bauer-Programmzeitschriften (unter anderem „TV 14", „TV Movie", „Fernsehwoche", „TV Hören und Sehen"). Im Juni dieses Jahres werde man den Betrieb von PTG einstellen, teilt Bauer mit. 39 Mitarbeiter in Hamburg seien davon betroffen.

Grund für den Einschnitt sei das digitale Angebot im Markt, das die Entwicklung von Programmlistings im eigenen Haus seit längerem unrentabel gemacht habe, so der Verlag. Bauer will diese Dienstleistung künftig offenbar billiger von externen Anbietern einkaufen. Ein großer Player in diesem Markt ist das Berliner Unternehmen Presse Programm Service (PPS), das seit 2011 zum internationalen Dienstleister Media Press TV mit Sitz in der Schweiz gehört; bis 2007 gehörte PPS zu Axel Springer, danach der Nachrichtenagentur dpa.

... und bei "Bravo" Stellen weg
... und bei "Bravo" Stellen weg
Baustelle Nummer Zwei sind die Jugendtitel, deren Auflagen seit langem stark sinken. Das Einstiegsmagazin „Twist" stellt Bauer ein. Erst im Juni hatte der Verlag das Heft vom Star-Magazin für Mädchen zur jüngeren Ausgabe von „Bravo" mit erweiterter, jüngerer Zielgruppe (10- bis 14-jährige Jungen und Mädchen) und erhöhter Frequenz (von monatlich auf dreiwöchentlich) umpositioniert. Ohne Erfolg zumindest im 3. Quartal 2012: Die „Twist"-Auflage sank gegenüber Vorjahr um ein Fünftel auf 72.160 Hefte. Erst im Juli hatte der Verlag außerdem den Ableger „Bravo Hip Hop" nach starken Auflagenverlusten eingestellt.

Verantwortlich dafür - und für die Umsortierung der übrigen Jugendmarken - war zuletzt Stefan Gröner, der im Herbst 2011 als Geschäftsführer zur Münchner Bauer-Jugendsparte kam, als Nachfolger von Axel Bogocz. Gröner hat Bauer bereits im vergangenen Dezember, nach nur gut einem Jahr, wieder verlassen - „aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Jugendmarken des Unternehmens", so der Verlag kürzlich.

Nun streicht Bauer Redaktionsstellen in München; 14 Redakteure sind betroffen. Wohl um dies zu kompensieren, sollen das wöchentliche Flaggschiff „Bravo" und sein 14-täglicher Ableger „Bravo Girl" (Zielgruppe: Mädchen und junge Frauen zwischen 14 und 19 Jahren) künftig enger zusammenarbeiten. „Bravo" soll dabei für Reportagen zuständig sein, „Bravo Girl" für Mode- und Beautyberichterstattung. Die Produktion des monatlichen jungen „Bravo Girl"-Ablegers „Yeah" (Zielgruppe: Mädchen zwischen zehn und 13 Jahren) hatte Bauer bereits im Sommer an das Münchner Redaktionsbüro Lück ausgelagert.

„Die Bauer Media Group hält unverändert an der Marke ,Bravo‘ fest und stellt die Weichen für die Zukunft", fühlt sich der Verlag bemüßigt zu betonen. In den vergangenen drei ausgewiesenen IVW-Quartalen sank die Auflage des Hauptheftes im Vorjahresvergleich um jeweils über ein Fünftel auf zuletzt 306.515 Hefte (IVW III/2012); ähnlich hoch sind die Minusraten bei „Bravo Girl" (zuletzt 134.121 Verkäufe). Offenbar stellt Bauer seine Struktur bei „Bravo" mit dem Stellenabbau auf weiter sinkende Auflagen ein. rp

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, insgesamt seien 55 Mitarbeiter betroffen, darunter 16 in München. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Meist gelesen
stats