Bauer löst Entwicklungsredaktion auf / Thomas „Doc“ Schneider verlässt den Verlag

Mittwoch, 07. Januar 2009
Thomas Schneider geht
Thomas Schneider geht

In den Führungsetagen der Hamburger Großverlage bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen: Einen Tag nach dem Wechsel an der G+J-Spitze vermeldet die Bauer Media Group den Abgang ihres journalistischen Geschäftsleiters Thomas Schneider. Der 57-Jährige verlässt das Unternehmen nach vierjähriger Tätigkeit aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen über die journalistische Weiterentwicklung des Portfolios", wie es in einer knappen Pressemitteilung des Verlags heißt. Über eine Neubesetzung der Position sei nicht entschieden. Zugleich löst Bauer seine „Future" genannte Entwicklungsredaktion auf. Betroffen sind zehn Redakteure. „Future"-Chefredakteur Michael Kneissler, 52, wird den Verlag ebenfalls verlassen. No Future also für Neuentwicklungen? Dazu teilt der Verlag mit: „Neue Objekte werden auch künftig von den bestehenden Redaktionen entwickelt." Ein listiger Satz, aus dem man den Hintergrund der Demission Schneiders herauslesen könnte - werden doch die letzten erfolgreichen Bauer-Neugründungen, vor allem „Welt der Wunder" und „Intouch", eher anderen Vätern zugerechnet: „Welt der Wunder" ist eine Entwicklung von Uwe Bokelmann, im Hauptberuf Chefredakteur des Bauer-Programmies „TV Hören und Sehen". Entwicklungs-Chefredakteur der US-Adaption „Intouch" war Marc Werthmann, der das Haus längst verlassen hat.

Schneiders Hauptprojekt war das Mode- und Klatschblatt „Life & Style", das im Mai 2008 gestartet war. Bisher hat das Magazin seine Auflagenerwartungen nicht erfüllt - und wird „Intouch" immer ähnlicher. Kein Wunder: Verlegertochter Nicola Bauer, die vorher „Intouch"-Chefin war, leitet seit dem Weggang der „Life & Style"-Gründungschefredakteurin Ilka Peemöller im September 2008 das Blatt als Chefredakteurin. Herausgeberin ist ihre Schwester Mirja Bauer. Glaubt man Verlagskreisen, gibt es seit längerem interne Debatten um die künftige Ausrichtung von „Life & Style".

Mitarbeiter sagen, Schneider habe sich in diesem Umfeld nicht mehr wohlgefühlt. Andere meinen zu wissen, die Verlegerfamilie sei mit der Performance von Schneiders „Future"-Truppe schon länger nicht mehr zufrieden gewesen; das Entwicklungslabor habe zu weit weg von den Märkten agiert. Zwei Deutungen, die sich nicht zwingend ausschließen. Schneider war Ende 2004 in Hamburg angetreten, um die journalistische Kompetenz des Hamburger Medienhauses zu stärken - besonders mit neuen Frauen- und People-Magazinen, die den vertriebsorientierten Verlag im Anzeigenmarkt nach vorne bringen sollten. Zuvor war Schneider Vize-Chefredakteur der „Bunte".

Offen bleibt, wie es nun mit Neuentwicklungen bei Bauer weitergeht. Noch vor vier Wochen, auf seiner Bilanzpressekonferenz, hat Verleger Heinz Bauer Magazinlaunches sogar im befürchteten Krisenjahr 2009 nicht ausgeschossen. In Deutschland könnten bis zu drei neue Bauer-Titel auf den Markt kommen, darunter auch ein Nutzwertmagazin, hieß es. Auch ein Nischentitel steht dem Vernehmen nach auf der Agenda. rp
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