Bauer beackert Supermärkte

Donnerstag, 04. November 2010
Vetriebschef Bertram will umsatzstarke Titel besser platzieren
Vetriebschef Bertram will umsatzstarke Titel besser platzieren

Das könnte mal wieder Zoff geben: Über ein halbes Jahr nach ihrem umstrittenen "Top 100"-Vertriebsvorstoß zur umsatzabhängigen Zeitschriftenplatzierung an Kiosken, der in den Folgewochen von einer Flut einstweiliger Verfügungen anderer Verlage wieder gestoppt wurde, wagt die Bauer Media Group jetzt einen neuen Anlauf im Einzelhandel. Das Medienhaus startet eine in der Verlagsgeschichte wohl beispiellose Offensive in größeren Filialen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH). Hier, in nur relativ wenigen Supermärkten und Discountern - sie machen nur ein Fünftel der rund 123.000 deutschen Presseverkaufsstellen aus -, erzielt Bauer 45 Prozent seiner inländischen Vertriebserlöse. In den kommenden Wochen beschallt Bauer die LEH-Filialisten mit einer Informations- und Werbekampagne, baut einen Außendienst mit über zehn Personen auf, propagiert dabei eine neue Regalordnung - und spart nicht mit Kritik an der LEH-Betreuung durch den Grosso.

Ziel ist es, die in den jeweiligen LEH-Filialen umsatzstärksten Zeitschriften in Vollsicht zu präsentieren, anstatt teilweise übereinandergeschoben. Davon verspricht sich Bauer einen Verkaufsschub vor allem für die eigenen Magazine, die im gesamten Presseeinzelhandel im Durchschnitt etwa ein Viertel der 100 umsatzstärksten Titel ausmachen. Um die Akzeptanz seiner Offensive zu verbessern, argumentiert der Großverlag indes mit dem Allgemeinwohl: Der Presseumsatz im gesamten deutschen LEH könne allein durch die „optimale Präsentation der Top-Seller" um rund 10 Millionen Euro oder ein Prozent steigen, so Bauer.

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Dabei stützt der Verlag sich auf eine Studie, die man beim Marktforschungsunternehmen GVK in Lüneburg in Auftrag gegeben hat. Das laut Bauer „alarmierende Ergebnis": Die Kunden halten sich mit 102 Sekunden (2007: 156 Sekunden) immer kürzer am Zeitschriftenregal auf, daher werde die schnelle Übersicht wichtiger. An „überfüllten Regalen" jedoch würden die Kunden erst gar nicht suchen - und auf Pressekäufe ganz verzichten.

Für Grossisten und kleinere Verlage müssen die Pläne wie eine Drohung klingen, erinnern sie doch an Bauers umstrittene "Top 100"-Aktion im März. rp
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