Bauer baut Verlag um / Keine persönliche Haftung mehr?

Freitag, 17. Juli 2009
Verlagschef Heinz Bauer
Verlagschef Heinz Bauer

Großverleger Heinz Bauer plant offenbar den grundlegenden Umbau seines Unternehmens - wohl im Zuge des bereits eingeleiteten Generationswechsels in der Konzernspitze und der Regelung von Erbformalitäten. So hat der 69-Jährige acht neue Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) sowie zwei neue Kommanditgesellschaften (KG) gegründet und ins Handelsregister eintragen lassen. Die KGs sind nach seiner Tochter Yvonne benannt, die kürzlich in die Konzernleitung aufgestiegen ist und seitdem als künftige Verlegerin gilt: Yvonne Bauer Service KG und Yvonne Bauer Redaktions KG. Komplementärin (Vollhafterin) ist die zweitjüngste Verlegertochter selber; als Kommanditisten (Teilhafter) fungieren ihre drei Schwestern Mirja, Nicola und Saskia.

Spannender aber sind die acht GmbHs: Sie firmieren etwa als Bauer Programm GmbH, Bauer Lifestyle GmbH und Bauer People GmbH - und decken damit das gesamte Markenportfolio des Hamburger Verlags ab. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Bauer sein Geschäft von der KG-Rechtsform in einzelne GmbHs überführen will. Dies hätte vor allem haftungsrechtliche Konsequenzen: Bei einer Personengesellschaft wie einer KG haftet der Verleger - etwa bei einer Insolvenz - mit seinem gesamten Vermögen; eine GmbH haftet als Kapitalgesellschaft nur mit der jeweiligen Einlage (mindestens 25.000 Euro). Mit anderen Worten: Eine GmbH ist leichter abzuwickeln. Geschäftsführer der acht neuen Firmen ist jeweils Bauer-Konzerngeschäftsleiter Andreas Schoo.

Unklar ist, ob Heinz Bauer damit seine persönliche Haftung grundsätzlich aufgeben will - oder die seiner Nachfolgerin ausschließen will. Beides bedeutete eine radikale Veränderung im Gefüge des Familienverlags. In einem „Spiegel"-Interview hatte der Patriarch Ende Juni erklärt: „Familienunternehmen streben, neben Größe und Gewinn, immer danach, lange im Familienbesitz zu bleiben. Das hat mich oft davor bewahrt, extreme Risiken einzugehen. Ich gelte als altmodisch, weil ich in dieser Firma noch persönlich hafte."

Eine Bauer-Sprecherin bestätigt die Gründung der acht GmbHs und sagt: „Im Nachgang zur Neuordnung der Konzernleitung wird auch über gesellschaftsrechtliche Veränderungen nachgedacht." Diese „strukturellen Veränderungen" würden nicht zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen. Unklar ist, inwieweit die Schritte zu konditionellen Verschlechterungen bestehender oder neuer Arbeitsverträge führen könnten. rp
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