Bauer-Verlag: Vertriebspraxis im Zwielicht

Mittwoch, 10. Januar 2007

In dem seit 2003 laufenden Strafverfahren gegen zwei Ex-Vertriebsmanager der Bauer Verlagsgruppe enthüllt die "Hamburger Morgenpost" schmutzige Details. Laut "Mopo" sind Führungskräftetreffen der Bauer-Vertriebstochter bisweilen "in Orgien ausgeartet", Geschäftsreisen mit selbstständigen Abo-Vermittlern ("Drückerfirmen") seien oft im Rotlichtmilieu geendet - und das alles heimlich auf Kosten des Verlags. Außerdem sei der Verlagsgruppe, die in dem Verfahren als Nebenkläger auftritt, durch Provisionszahlungen für gefälschte Abonnements-Scheine ein Gesamtschaden von bis zu 30 Millionen Euro entstanden. Damit nicht genug: Laut "Mopo" wurde der Chef einer der "Drückerfirmen" wegen Mordversuchs an einem abtrünnigen Mitwisser im Sommer 2006 inhaftiert. Einem weiteren Bericht der "Mopo" zu Folge sollen Mitarbeiter auch Kundenadressen des Bauer-Verlags auf eigene Rechnung an Call-Center verkauft haben. Mit Hinweis auf das "laufende Verfahren" nimmt Bauer keine Stellung zu den Berichten.

Fest steht, dass im September vergangenen Jahres zwei weitere führende Bauer-Vertriebsmitarbeiter den Verlag verlassen mussten: Bernd Baginski, Geschäftsleiter Bauer Vertriebs KG, und Johan van der Sluis, Geschäftsbereichsleiter Abonnement. Offenbar macht Verleger Heinz Bauer beide - obwohl nicht persönlich beschuldigt - für die Unregelmäßigkeiten und Affären verantwortlich. Auch der langjährige Bauer-Geschäftsleiter Manfred Braun musste gehen (HORIZONT 39/2006). Derzeit befasst sich eine Arbeitsgruppe, der auch Bauer-Tochter Yvonne angehört, mit Fragen zur künftigen Vertriebsorganisation. rp

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