Bauer: Tochter Yvonne gehören bald alle Redaktionen

Freitag, 20. November 2009
Yvonne Bauer wird Verlegerin
Yvonne Bauer wird Verlegerin

Es ist soweit: Yvonne Bauer, zweitjüngste Tochter des Print-Patriarchen Heinz Bauer, 70, wird Verlegerin. Zum 1. Januar 2010 gehen fast alle deutschen Redaktionen der Bauer Media Group ins Eigentum von zwölf GmbHs über, die bereits im Sommer gegründet wurden. Eigentümer dieser Redaktions-GmbHs wird die ebenfalls im Sommer gegründete Yvonne Bauer Redaktions KG, an der die 32-Jährige als voll haftende Hauptgesellschafterin 85 Prozent der Anteile hält. Ihre drei Schwestern Mirja, Nicola und Saskia sind mit jeweils 5 Prozent beteiligt; sie haften nur bis zur Höhe ihrer Einlage (je 1 Million Euro). Nicola Bauer, die zweitälteste Verlegertochter und Chefredakteurin von „Life & Style", wird auch Geschäftsführerin des Titels.

Das alles bedeutet: Die Redaktionen arbeiten künftig für Yvonne Bauer - und nicht mehr für ihren Vater. Damit haben die bisher bekannten Details des gesellschaftsrechtlichen Umbaus im Hause Bauer deutlich größere Konsequenzen als zunächst vermutet. Die große Mehrzahl der rund 3.150 Bauer-Mitarbeiter in Deutschland sind Redakteure. Bisher waren sie in unterschiedlichen KGs beschäftigt, die wiederum zur Muttergesellschaft Heinrich Bauer Verlags KG gehörten, an der Altverleger Heinz Bauer als Vollhafter die Mehrheit hält. Die Gründung der Redaktions-GmbHs hatte im Sommer zu Spekulationen geführt, Bauer wolle das Prinzip der persönlichen Haftung aufgeben.

Print-Patriarch Heinz Bauer gibt Macht ab
Print-Patriarch Heinz Bauer gibt Macht ab
Die neue Konstruktion zeigt, dass dies so nicht sein muss: Über Gewinnabführungsverträge und Durchgriffshaftung könnten die Redaktionsfirmen mit Yvonne Bauers KG so verbunden sein, dass die Verlegertochter letztlich voll haftet. Dies könnte auch gelten für die ebenfalls im Sommer gegründete Yvonne Bauer Service KG, in der etwa die Call-Center-Aktivitäten der Verlagsgruppe gebündelt werden sollen. "Yvonne Bauer haftet persönlich für die Redaktions KG und die Service KG mit ihren zugehörenden GmbHs", teilt der Verlag mit. Bei dem Betriebsübergang gehen alle Arbeitsverträge und Konditionen auf die neuen Gesellschaften über, so dass keinem Mitarbeiter Nachteile entstünden, so Bauer. Eingeläutet hat Bauer den Generationswechsel bereits im Juni: Da war Yvonne Bauer in die Geschäftsleitung der Verlagsgruppe aufgestiegen; seitdem galt sie als die künftige Verlegerin.

Die Leitungen der GmbHs übernehmen in den meisten Fällen die bisherigen Verlagsgeschäftsführer, Bereichs- oder Objektleiter. Chefs der beiden Mutter-KGs werden Yvonne Bauer, Eckart Bollmann und Andreas Schoo. Drei der GmbHs fallen auf, weil hinter ihnen keine Titel stehen: Die neue Bauer Service Compact GmbH und die Bauer Copy Desk GmbH sollen Serviceaufgaben für die Redaktionen übernehmen - dahinter könnte man (weitere) Zentralisierungen vermuten, etwa bei der Schlussredaktion. "Ihre Angebote sollen über die Frauen- und Yellowtitel hinaus auch weiteren Titeln offeriert werden", so der Verlag. Das Ressort Film/Sparte von "TV Movie" soll in die neue Bauer Film & Service GmbH übergehen und seine "Kompetenz breiter anbieten". Ein Verlagssprecher verneint, dass im Zuge der Neuorganisation weiter zentralisiert werde; für alle Arbeitsverträge gelte zudem Bestandschutz. Denkbar sei aber, dass die drei Service-GmbHs ihre Leistungen auch extern anbieten.

Nicht berücksichtigt in der neuen GmbH-Konstruktion sind bisher die beiden Wohntitel "Wohnidee" und "Laura Wohnen Kreativ", die, wie auch die Titel anderer Verlage in diesem Segment, wirtschaftlich unter Druck stehen. Für beide Hefte werde "eine Lösung gefunden", sagte der Sprecher. Welche das sein könnte - etwa Eingliederung in eine der übrigen GmbHs, Inanspruchnahme der neuen internen Service-Sparten oder Outsourcing -, wollte er nicht sagen. Eine Einstellung der Hefte sei nicht geplant.

Unklar ist bisher auch, ob, wann und wie auch die übrigen Verlagsbereiche - vor allem Vertrieb und Vermarktung - ins Eigentum der Töchter übergehen. Wahrscheinlich ist, dass Yvonne Bauer dann auch dort die Hauptrolle spielen wird. Manche im Verlag meinen, sie werde beide Sparten bereits im kommenden Jahr übernehmen. Ebenso unklar sind bisher die Einbindung der Auslandsfirmen sowie die neuen Zuständigkeiten der Betriebsräte. Hintergrund des gesellschaftsrechtlichen Umbaus könnten Fragen der Erbschaftssteuer sein: Firmenerben müssen weniger oder gar nichts an den Fiskus zahlen, wenn der Betrieb unverändert eine bestimmte Zahl an Jahren weitergeführt und eine bestimmte Lohnsumme beibehalten wird. In Zeiten wie diesen eine riskante Wette. Daher könnte es steuerlich sinnvoll sein, die Aktivitäten der zu vererbenden Firma - hier: Heinrich Bauer Verlags KG - schon vorher herunterzufahren. rp
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