Bauer: Ohne Zukäufe bröckelt der Umsatz / Deutschland-Geschäft sinkt um fast 5 Prozent

Donnerstag, 02. Dezember 2010
Bauer büßt an Umsatz ein
Bauer büßt an Umsatz ein

Schleichender Schwund auf hohem Niveau: Die Bauer Media Group rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz von 2,03 Milliarden Euro - das sind 3,7 Prozent weniger als 2009. Dies gab der Familienverlag in Hamburg bekannt. Zwei Drittel der Erlöse stammen weiterhin aus dem Vertriebsgeschäft; hier sinken die Umsätze voraussichtlich um 3,4 Prozent auf 1,31 Milliarden Euro. Ein knappes Fünftel (372 Millionen Euro) steuern Anzeigeneinnahmen bei (minus 1,6 Prozent). Zum Gewinn macht Bauer traditionell keine Angaben. Auf niedrigem Niveau deutlich zulegen werden wohl die Umsätze aus Hörfunkbeteiligungen (um 12 Prozent auf 187 Millionen Euro), während die sonstigen Erlöse um 39 Prozent auf 100 Millionen Euro sinken. Schlusslicht mit einem Umsatzanteil von nur 3 Prozent ist das Digitalgeschäft - aber immerhin steigen hier die Erlöse um voraussichtlich 46 Prozent auf 60 Millionen Euro. Besonders in Deutschland erodieren die Verlagsumsätze: um 9 Prozent auf 813 Millionen Euro, teilweise indes durch geänderte interne Verrechung mit Schwesterfirmen. Konzernweit liegt das Deutschland-Minus unterm Strich bei 4,7 Prozent. Dadurch rutscht der Geschäftsanteil des Heimatmarktes auf nur noch 40 Prozent.

Ohne Zukäufe ist Wachstum also schwierig, doch lassen Bauers Größe in Deutschland und England – hier ist der Verlag das größte Zeitschriftenhaus – dank Kartellrecht nur eine weitere Internationalisierung zu. So wundern Gerüchte nicht, Bauer interessiere sich für das internationale Magazingeschäft des französischen Medienkonzerns Lagardère („Elle“, „Paris Match“, „Woman’s Day“). Laut Informationen der Zeitung „Les Echos“ will Lagardère über 200 Zeitschriftentitel in 45 Ländern (Umsatz: etwa 710 Millionen Euro) noch in diesem Jahr en Bloc verkaufen und soll bereits mit Hearst und Bauer verhandeln. „Wir schauen uns immer an, wenn auf dem Markt etwas angeboten wird“, sagte Heinz Bauer nur dazu.

Derweil stehen nun die amtlichen Zahlen für 2009 fest: Im vergangenen Jahr kam Bauer auf einen Umsatz von 2,11 Milliarden Euro - stolze 17,7 Prozent mehr als 2008. Dieser Sprung erklärt sich allein durch Zukäufe im Ausland: In der Bilanz 2009 sind nämlich erstmals die Umsätze der britischen Verlagstochter Bauer Media (ehemals Emap) berücksichtigt. Anfang 2008 hatte Bauer die Magazin- und Radiosparte von Emap übernommen. Dadurch stiegen die Auslandsumsätze um rund 40 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro. Mit einem Anteil von 58 Prozent trug das Ausland - vor allem England (565 Millionen Euro), Polen (241 Millionen) und die USA (217 Millionen) - damit erstmals mehr zum Gesamtumsatz bei als das Deutschlandgeschäft (894 Millionen). Und die Hörfunkerlöse verdreifachten sich durch den Emap-Deal von 51 auf 167 Millionen Euro.

Die Bauer Media Group publiziert 323 Zeitschriften in 15 Ländern. Die Zahl der Mitarbeiter stieg 2009 im Jahresdurchschnitt um 1528 auf 8493 Beschäftigte (davon etwa 2600 in Deutschland); der erstmaligen Einbeziehung von Emap in England mit 2000 Mitarbeitern stand eine Verringerung im Inland um 519 Arbeitsplätze gegenüber. In diesem Jahr dürfte Bauer weltweit etwa 8000 Mitarbeiter beschäftigen; ein Grund für die Verringerung dürfte die Schließung der Druckerei in Köln sein, die 300 bis 400 Arbeitsplätze kosten dürfte. rp
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