Bauer Media greift nach Abverkaufswerbung

Donnerstag, 19. Februar 2009
-
-

Ähnlich wie Axel Springer reagiert auch die Bauer Media Group mit neuen Vermarktungsangeboten auf die Wirtschafts- und Werbekrise. So bricht auch Bauer mit dem bisherigen Print-Vermarktungstabu, Anzeigenschaltungen nach ihrem direkt nachweisbaren, kurzfristigen Erfolg zu bepreisen. „Bei Kunden, die mit Abverkaufskampagnen neu auf Publikumszeitschriften setzen, werden wir uns am kurzfristigen Erfolgsrisiko beteiligen", sagt Matthias Körner, Geschäftsleiter bei Bauer Media. Und das geht so: „Wir legen mit unserem Kunden einen bestimmten Korridor fest, wann die in unseren Titeln geschaltete Kampagne ein Erfolg war oder nicht", sagt Körner. Danach richten sich, ausgehend vom Preislistentarif, entsprechende Rabatte. Das einzige Erfolgskriterium: der Abverkauf. Teil der kundenindividuellen Arrangements ist es, vorher weitere Einflussfaktoren wie Anzeigenkreation und Preispolitik des Kunden sowie parallele Werbeaktionen zu definieren, um den Einfluss der Kampagne in den Bauer-Titeln möglichst sauber herausrechnen zu können.

Dafür hat Bauer Media für ein Jahr eine Zeitschriften-exklusive Kooperation mit den GfK Panel Services geschlossen. Zielgruppe sind „Unternehmen und Produkte, die bisher nicht in Publikumstiteln geworben haben und die einen gewissen Werbedruck, der für den Nachweis der Effekte nötig ist, aufbauen können", so Körner. Damit will er ausschließen, dass bestehende Werbekunden das neue Angebot zum Rabatt-Poker ausnutzen.

Neben diesem „Bauer Media Performance" getauften Angebot startet der Großverlag eine Abverkaufsoffensive unter dem Namen „Weekly Sales Package": eine Riesen-Anzeigenkombination der größten Bauer-Titel, mit kurzen Vorlaufzeiten, einer nach Verlagsangaben großen Reichweite von 11,9 Millionen Haushaltsführenden und einem „sehr attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis" - also Sonderrabatten. Dritte Neuerung: Die seit 2005 laufende Abverkaufspromotion „Deutschlands cleverste Produkte" erweitert Bauer über seine Programmtitel hinaus auf die Frauen- und Special-Interest-Zeitschriften. Zudem wird die Aktion um Online und Dialogmarketing ergänzt.

Hintergrund der Offensive: Angesichts sinkender Werbeerlöse, einer verstärkten Nachfrage nach kurzfristigen, taktischen Abverkaufskampagnen und der zunehmenden intermedialen Konkurrenz, gerade durch Performance-orientierte Onlinewerbeträger, denken Axel Springer und Bauer um. Und sie wollen den TV-Sendern Anteile im Werbemarkt abringen - vor allem im Geschäft mit den Herstellern schnelldrehender Konsumgüter und Getränke. Diese investieren ihre insgesamt 2,7 Milliarden Werbe-Euro bislang überwiegend in TV. rp


Mehr zum Thema in der HORIZONT-Ausgabe 8/2009, die am heutigen Donnerstag erscheint.
Meist gelesen
stats