Bauer Media Group kauft MVG-Titel – und warum das Sinn ergibt

Freitag, 11. Mai 2012
Sichtlich zufrieden: Andreas Schoo, Waltraut von Mengden und Yvonne Bauer
Sichtlich zufrieden: Andreas Schoo, Waltraut von Mengden und Yvonne Bauer


Jetzt ist es offiziell: Die Bauer Media Group übernimmt die drei Zeitschriften des Schweizer Verlegers Jürg Marquard und seiner Münchner Medien-Verlagsgesellschaft (MVG), und zwar "Cosmopolitan", "Joy" und "Shape". Das teilen Bauer und MVG nun mit. Über den bevorstehenden Deal wurde seit längerem spekuliert (HORIZONT 17/2012). Was mit dem vierten Titel wird - dem neuen Modemagazin "Hot", von dem bisher eine Testausgabe erschien -, ist vorerst unklar. "Hot" wurde nicht miterworben, sagt eine Bauer-Sprecherin. Bedeutet das das Aus für "Hot"? Bei MVG war dazu bisher niemand zu erreichen.

Der am heutigen Freitag unterzeichnete Vertrag sieht vor, dass der Geschäftsbetrieb der deutschsprachigen Zeitschriftentitel sowie die dazugehörigen Online-Aktivitäten von Bauer übernommen werden. Die Transaktion umfasst 100 Prozent der im Schweizerischen Zug ansässigen German Premium Magazines AG sowie 100 Prozent der MVG in München, teilen beide Verlage mit. Der Deal steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Kartellamt. Zum Kaufpreis wollen die Verlage nichts sagen. Die "SZ" taxiert ihn auf 30 bis 40 Millionen Euro. Angeblich wollte Marquard zuvor geschätzt über 70 Millionen Euro für seine Titel haben, war dem Vernehmen nach damit aber in ersten Sondierungsrunden bei Bauer, Burda, WAZ-Gruppe und G+J abgeblitzt.

„Die Transaktion bietet für uns im Print- wie auch im Digitalbereich neue Vermarktungs- und Vertriebschancen mit starken Marken in unserem Portfolio" sagt Yvonne Bauer: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einem erfolgreichen und engagierten Team in München, unter der Leitung von Geschäftsführerin Waltraut von Mengden." Das klingt danach, als wolle Bauer die Führungscrew von MVG nicht vollständig austauschen - zumindest vorerst. Mitgeschäftsführer Albrecht Hengstenberg jedoch könnte dem Vernehmen nach MVG verlassen. Der MVG-Standort in München, wo Bauer bereits seine "Bravo"-Familie führt, soll offenbar erhalten bleiben.

Auch Verleger Jürg Marquard lässt sich zitieren: Er freue sich, dass seine deutschsprachigen Frauenzeitschriften sowie deren Mitarbeiter „eine neue, zukunftsorientierte Heimat in einem familiengeführten, weltweit erfolgreichen Medienunternehmen gefunden haben". Weiterhin in seinem Besitz behält er zu 100 Prozent Marquard Media International in Zug als Eigentümer von 95 Prozent der börsennotierten Computec Media AG in Fürth, von 100 Prozent der Marquard Media Polen und der Marquard Media Ungarn sowie 50 Prozent der Hearst Marquard Publishing Polen.

Das MVG-Portfolio passt gut zu Bauer. Dem vertriebsorientierten Familienverlag fehlen echte Hochglanzhefte und Anzeigendickschiffe im Frauenmarkt. Gemeinsam mit den drei MVG-Titeln würde Bauer seinen Bruttowerbeumsatz von 235 Millionen Euro (2011, ohne Medienwerbung) um 50 Millionen Euro erhöhen. Damit bliebe Bauer im Magazin-Ranking allerdings auf Platz 4, hinter Burda, G+J und Axel Springer.

Und auch für Marquard ergibt der Deal Sinn: In einer Zeit, in der sich gerade im fragmentierten Print-Werbemarkt die Verlagsvermarkter immer mehr zusammenschließen - zuletzt Jahreszeiten Verlag/Medweth-Gruppe sowie Burda/WAZ-Magazine -, dürften die drei oder vier MVG-Titel alleine auf Dauer zu klein sein, um auf dem Radar der großen Werbekunden und Mediaagenturen zu bleiben. rp
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