Bauer-Geschäftsleiter Andreas Schoo: "Zeitschriften funktionieren"

Freitag, 21. Juni 2013
Andreas Schoo: "Es läuft gut bei Bauer Media"
Andreas Schoo: "Es läuft gut bei Bauer Media"


Printkrise? Welche Printkrise? Bei der Bauer Media Group ist davon offensichtlich nichts zu spüren. Im laufenden Jahr erwartet der Hamburger Familienverlag einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro und könnte damit zum größten Zeitschriftenverlag Europas aufsteigen. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" kündigt Geschäftsleiter Andreas Schoo zwar auch Akquisitionen an - diese müssten allerdings zum Kerngeschäft passen. Auf "obskure Digitalangebote" werde man sich nicht einlassen.
"Es ist ja kein Geheimnis: Es läuft gut bei Bauer Media", betont Schoo im Gespräch mit der "SZ". Der Verlag werde in diesem Jahr voraussichtlich mehr als 2,4 Milliarden Euro Umsatz machen, "und zwar mit unserem Kerngeschäft Zeitschriften. Das Jahr ist bisher richtig gut für und gelaufen". Man liege sowohl bei der Vertriebserlösen als auch beim Anzeigenumsatz im Plus. Damit könnte der Verlag den mit Schwierigkeiten kämpfenden Konkurrenten Gruner + Jahr in diesem Jahr als größten Zeitschriftenverlag Europas ablösen.

Nichtsdestotrotz will Bauer gezielt in die Digitalisierung investieren und sich auch durch Übernahmen weiter verstärken - allerdings mit Augenmaß: "Die Akquisitionen müssen auch zu unseren Kompetenzen pasen", betont Schoo. "Ich würde lieber eine Radiokette dazukaufen, als uns mit obskuren Digitalangeboten zu beschäftigen. Und wir werden weiter in Print investieren, wir machen deutlich Gewinn damit." Zeitschriften würden nach wie vor funktionieren, wenn sie gut gemacht sind. "Und wir machen sie richtig gut, weil wir uns intensiv mit Leserbedürfnissen und Trends beschäftigen."

Weniger lyrisch ist die Wortwahl von Schoo, wenn es um die Zukunft des deutschen Grosso-Systems geht. "Heute müssen alle für das System zahlen, aber es gibt nur einen, der einen Vorteil davon hat: die "Bild"-Zeitung. Zum Schaden aller", redet der Bauer-Geschäftsleiter Tacheles. "Wir könnten 30 Prozent Kosten sparen. Wer sieben Tage will und alle Verkazufsstellen, muss die zusätzlichen kosten selber tragen", fordert Schoo. Ziel sei eine "umfassende Modernisierung" des Systems."Wenn sich alles ändert, das Marktumfeld, die Zeitshriften, die Leser - dann kann es nicht sein, dass nur der Vertrieb bleiben soll, wie er ist. Das System verhindert Verkäufe, statt sie zu fördern." dh
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