Bauer: Bald Europas größter Zeitschriftenverlag? / Wachstum durch Zukäufe

Mittwoch, 28. November 2012
Verlegerin Yvonne Bauer mit den Geschäftsleitern Eckart Bollmann (l.) und Andreas Schoo
Verlegerin Yvonne Bauer mit den Geschäftsleitern Eckart Bollmann (l.) und Andreas Schoo


Aufholjagd durch Akquisition: Die Bauer Media Group ackert sich im Umsatzranking der Medienhäuser nach vorne. Der Familienverlag erwartet in diesem Jahr Erlöse von knapp 2,2 Milliarden Euro, das sind 7,6 Prozent mehr als 2011. Damit könnte Bauer nun Gruner + Jahr als Europas größtes Zeitschriftenhaus ablösen. Dies deutete Verlegerin Yvonne Bauer vor der Presse in Hamburg an. Das Plus resultiert vor allem aus dem Kauf des australischen Großverlags ACP, zudem aus der Übernahme der deutschen MVG-Titel („Cosmopolitan", „Joy", „Shape").

Zum Vergleich: 2011 war Bauers Umsatz ohne Zukäufe um rund 5 Prozent gesunken. Bereinigt, also ohne die Zukäufe, würden sich die Umsätze in diesem Jahr „stabil" entwickeln, so Bauer auf Nachfrage. G+J kam im 1. Halbjahr 2012 auf 1,1 Milliarden, in 2011 gesamt auf 2,3 Milliarden Euro Umsatz. Das Überholmanöver könnte also klappen, spätestens im kommenden Jahr, wenn die Zukäufe voll und nicht nur zeitanteilig in die Bilanz einfließen. 2013 dürfte Bauer damit rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz machen. Zum Gewinn sagt der Verlag traditionell nichts.

"We think popular" lautet der neue globale Claim von Bauer
"We think popular" lautet der neue globale Claim von Bauer
Durch den ACP-Deal steigt Bauers Anteil der Auslandsumsätze von 60 auf vorerst 62 Prozent; 2013 dürfte es wie gesagt noch mehr werden. In Australien/Neuseeland, Tschechien, Großbritannien und Polen sieht sich der Verlag als Marktführer bei Magazinen, in den beiden letztgenannten Ländern ebenso im privaten Radiomarkt. Nach eigenen Angaben habe man seit 2011 weltweit 90 Titel gestartet und betreibe nun über 570 Zeitschriften (hinzu kommen noch 70 Lizenzvergaben), rund 300 digitale Produkte sowie international 50 Radio- und TV-Stationen. Bauer beschäftigt über 11.000 Mitarbeiter in 16 Ländern, davon knapp 3400 in Deutschland. Passend zu alledem - und zu seinen bunten Unterhaltungsblättern - positioniert sich der Verlag künftig erstmals mit einem weltweiten Konzernclaim: „We think popular". Yvonne Bauer: „Wir sind das Medienhaus der Populärkultur."

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Und dies vor allem in Print. Der Anteil der Digitalerlöse dagegen liegt mit 55 Millionen Euro bei nach wie vor homöopathischen 2,5 Prozent. Dabei hatte Konzerngeschäftsleiter Andreas Schoo im letzten Jahr an gleicher Stelle markante Parolen ausgegeben: Man wolle schon 2012 „alles daran setzen, dass wir im Digitalgeschäft einen deutlichen Sprung nach vorne schaffen", sagte Schoo damals - und zwar durch Zukäufe mediennaher Plattformen, durch den Launch eigener Digitalangebote sowie durch das Ausrollen „aller wesentlichen Verlagsprodukte" auf dem Tablet. Dafür wollte er „personelle und finanzielle Ressourcen aufs Digitale drehen" und „das Unternehmen in Teilen auf den Kopf stellen".

Zu sehen war von Bauers Kopfstand hier bisher wenig, trotz Einberufung eines globalen Verlagsgremiums namens „International Steering Committee" zum Erfahrungsaustausch und zur Synergienutzung. Die (vor allem Print-) Zukäufe von ACP und MVG hatten erstmal Priorität. Jetzt soll die Digitaloffensive 2013 starten. Und um die Sprungkraft erhöhen, bekommt Schoo nun die Verantwortung für den internationalen Digitalbereich übertragen.

Doch zurück zum Kerngeschäft, das immer noch für knapp 80 Prozent der weltweiten Bauer-Umsätze sorgt: "Print lebt", bekundet die Verlegerin, "man muss eben nur seine Hausaufgaben machen und sich um seine Produkte kümmern". Ihr Haus habe dies in diesem Jahr mit Investitionen in Ausstattung und Marketing bestehender Titel in Höhe von 50 Millionen Euro allein in Deutschland getan.

Wohl vor allem durch die Zukäufe verschieben sich die Umsatzanteile 2012 um jeweils einen Prozentpunkt vom Vertrieb (gesunken auf 61 Prozent) in Richtung Anzeigen (gestiegen auf 19 Prozent). Nahezu unverändert Bauers Umsatzanteile des Rundfunkgeschäfts (10 Prozent), der sonstigen Erlöse (Syndication, Druck, Logistik) mit 8 Prozent und eben Digital mit 2,5 Prozent. Und trotz des durch Akquisitionen gewachsenen hohen Auslands-Umsatzanteils - bereits 2008 hatte Bauer die Magazin- und Radiosparte des britischen Medienkonzerns Emap gekauft - gilt weiterhin: Deutschland bleibt mit 827 Millionen Euro vor Großbritannien, Australien/Neuseeland (hochgerechnet aufs Jahr 522 Millionen Euro), Polen und USA auch 2012 der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt. rp


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