BVDW-Präsident Groth: "Internetnutzung hat Potenzial nach oben"

Montag, 17. September 2012
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"Es gibt keine Branche mehr, für die das Internet nicht von zentraler Bedeutung ist." Wenige Tage nach dem Ende der Dmexco zieht Arnd Groth, Präsident des Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) Bilanz zweier ereignisereicher Tage in Köln. Eine rekordverdächtige Dmexco ist vergangene Woche zu Ende gegangen. Welche Erkenntnisse nehmen Sie von der Dmexco mit? Nicht nur die Digitalisierung der Medien, sondern auch die Automatisierung des Media-Handels bei Standardwerbeformen schreitet weiter voran. Um eine führende Rolle einzunehmen, müssen sich Unternehmen dieser Entwicklung annehmen. Es gab aber auch die klare Bekenntnis zu Beratung und persönlichem Verkauf für Premiumangebote auch noch in der Zukunft.

Welche Trends prägen das Jahr 2012? Die Besucher waren sehr an Konzepten und Tools zur Erfolgs- und Werbewirkungsmessung interessiert. Ansonsten wurde auf jedem Stand über automatisierten Handel und Real Time Advertising gesprochen. Besonders die Abgrenzung, welches Inventar zukünftig wie gehandelt wird und welcher Marktteilnehmer den Lead hat, beschäftigt den Markt sehr.

Im Vergleich zu manchen nordeuropäischen oder osteuropäischen Ländern ist Deutschland, was die Internetnutzung angeht, nur im Mittelfeld. Warum eigentlich und was muss passieren, damit sich das ändert? Bei der Internetnutzung sind wir mit 77 Prozent Onlinern bei den über 18-Jährigen in der Zwischenzeit über dem europäischen Durchschnitt. Nur bei der Nutzungsintensität - also wie viel Zeit verbringen die Deutschen im Netz - liegen wir im Vergleich noch deutlich zurück.
Das hat bei E-Commerce und der Kommunikation aber unter anderem auch mit der exzellenten Abdeckung und Versorgung in Deutschland zu tun. In Skandinavien gab es einen viel höheren Bedarf zur Überbrückung der schlechten Versorgung durch den Handel fern ab der Metropolen.

In seiner Keynote hatte Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen betont, dass das Internet in zahlreichen Industriezweige für neue Dynamik sorgen wird. Wo sehen Sie die größten Wachstumsfelder? Es gibt keine Branche mehr, für die das Internet nicht von zentraler Bedeutung geworden ist. Zudem hatte das Internet für Bereiche wie Finanzwirtschaft, Telekommunikation oder Automobil schon sehr früh eine wichtige Bedeutung in der Kommunikation. Jetzt aber greift das Internet in Produktionsprozesse ein und wird ein entscheidender Faktor im Produkt selbst. Bei der Automobilbranche sind da zum Beispiel die Navigationssysteme zu nennen oder auch die Car-Sharing-Modelle, die ohne das Internet überhaupt nicht darstellbar wären.

Der Onlinevermarkterkreis hatte zu Beginn der Dmexco optimistische Wachstumszahlen für den Online-Werbemarkt verkündet. Doch die Brutto-Netto-Schere öffnet sich auch im Digitalwerbemarkt deutlich. Damit nicht genug: Die Euro-Krise macht sich inzwischen auch in der Digitalwirtschaft bemerkbar. Sind die Wachstumsjahre allmählich vorbei?
Das Schließen der Lücke bei der Nutzungsintensität bietet allein 30 Prozent Potenzial nach oben. Es ist aber richtig, dass sich der Anstieg bei der klassischen Onlinewerbung verlangsamt. Mit dem jetzt einsetzenden Push bei Mobile, Video und Location Based Services sorgen die neuen Bereiche für nachhaltiges Wachstum.

Was sind für den Verband die wichtigsten Herausforderungen der kommenden Monate? Sehr stark beschäftigt uns weiterhin die Aufklärung in den Bereichen Daten- und Jugendschutz. Eine staatliche Regulierung hilft in dem dynamischen Markt digitale Wirtschaft überhaupt nicht. Wir haben tragfähige Konzepte für eine Selbstregulierung der Branche vorgestellt und werden diese jetzt mit allen Marktteilnehmern und der Politik gemeinsam umsetzen. Darüberhinaus kümmern wir uns natürlich kontinuierlich um die neuen Themenfelder wir Social Media oder Video, um den Mitgliedern bei der Marktentwicklung zur Seite zu stehen. vs

 

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