BSkyB: Widerstand gegen Murdochs Übernahmepläne

Freitag, 05. November 2010
Murdoch will BSkyB komplett
Murdoch will BSkyB komplett

Rupert Murdochs Pläne, die fehlenden 61 Prozent am britischen Pay-TV-Anbieter BSkyB zu übernehmen, stoßen auf Widerstand. Der Medienmogul, der über seinen Medienkonzern News Corp auch den hiesigen Bezahlsender Sky kontrolliert, hatte das Vorhaben am Mittwoch zur Genehmigung bei der EU-Wettbewerbsbehörde angemeldet. Der britische Wirtschaftsminister Vince Cable hat am gestrigen Donnerstag gegen den Kauf interveniert. Laut Medienberichten will Cable, dass die britische Wettbewerbsaufsicht Ofcom den Fall prüft. Nach europäischem Recht könnte Großbritannien beantragen, selbst über die Übernahme zu entscheiden. Der Australier Murdoch verfügt auf der Insel über eine erhebliche Pressemacht. Zu seinem Imperium gehören unter anderen das Boulevardblatt "Sun" ebenso wie die altehrwürdige "Times", die zweitgrößte Abozeitung des Landes, der Marktbeobachter seit ihrem Wechsel zur News Corp jedoch eine erhebliche Verflachung nachsagen.

BSkyB ist hochprofitabel und der größte private TV-Anbieter Großbritanniens. Rupert Murdochs Sohn James Murdoch, der nicht nur Vorstandschef von BSkyB, sondern auch verantwortlich für das Europa- und Asiengeschäft ist, hatte bereits im Juni angekündigt, die fehlenden Anteile übernehmen zu wollen und dafür rund 7,8 Milliarden Pfund geboten, umgerechnet circa 10 Milliarden Euro. Der unabhängige Vorstand will dem Kauf jedoch nur zustimmen, wenn News Corp 800 statt 700 Pence pro Aktie zahlt und damit 8,6 Milliarden Pfund. 

Die EU-Kommission wird laut "FTD" am 8. Dezember entscheiden, ob sie die Übernahme genehmigt. Die Ofcom könnte erst danach eingeschaltet werden. Sie hatte bereits im Spätsommer gegen den Konzern inverveniert. Er musste daraufhin Anteile am Privatsender ITV wieder verkaufen, die Murdoch 2006 übernommen hatte. Laut "FTD" halten Marktbeobachter es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Behörde erneut gegen den Konzern vorgehen würde.

Für das 3. Quartal hat die News Corp soeben einen Umsatz von 7,4 Milliarden Dollar, umgerechnet 5,2 Milliarden Euro, und einen Gewinnsprung auf 775 Milliarden Dollar (532 Millionen Euro) vermeldet - mehr als ein Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der hiesige Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland war dagegen zuletzt hochdefizitär. Der seit April 2010 amtierende CEO Brian Williams bemüht sich mit Hochdruck, den Sender zu sanieren, in den Murdoch seit seinem Einstieg 2008 schon mehr als eine Milliarde Euro investiert hat. Sky Deutschland veröffentlicht die Zahlen zum 3. Quartal am kommenden Donnerstag, den 11. November 2010. pap
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