BDZV zieht Reißleine und startet Initiative für junge Leser

Dienstag, 21. September 2010
BDZV-Vizepräsident Hans-Georg Schnücker
BDZV-Vizepräsident Hans-Georg Schnücker

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) will die jungen Zielgruppen zurückerobern. Beim Zeitungskongress in Essen hat der Verband den Start der Initiative „Jule – Initiative junge Leser“ bekannt gegeben. Gemeinsam mit dem Unternehmen TBM Marketing in Burgwedel hat das Gremium eine eigene Gesellschaft gründen, die das Ziel verfolgt, Jugendliche an die Zeitungslektüre heranzuführen. „Wenn wir nichts tun, werden uns junge Menschen irgendwann überhaupt nicht mehr wahrnehmen“, warnt BDZV-Vizepräsident Hans-Georg Schnücker. In der Tat sind die Zahlen alarmierend. Betrug die Reichweite der Tageszeitungen in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen 1979 noch 81 Prozent, sind es heute noch magere 54 Prozent.

Im Mittelpunkt der Initiative „Jule“ steht eine Wissensdatenbank im Internet. Sie soll den Verlagen dabei helfen, sich zu dem Thema Leseförderung auszutauschen und gemeinsam Know-how aufzubauen. Inhaltlich soll diese Plattform unter anderem Best Cases, Informationsmaterial, Forschungsergebnisse und Ideen bieten. Wann genau die Wissensdatenbank starten soll, steht noch nicht fest. Der Launch soll erst erfolgen, wenn sich eine ausreichend große Zahl an Verlagen bei der Plattform angemeldet hat. Bislang haben sich 21 Printhäuser registriert. Ziel ist, bis Jahresende 50 Unternehmen zu verpflichten. Die Mitgliedschaft ist kostenpflichtig. Die Beitragshöhe richtet sich nach der Auflage, beträgt jedoch maximal 7000 Euro pro Jahr.




Darauf aufbauend plant der BDZV zudem mittelfristig die Gründung einer Stiftung, um weitere finanzielle Quellen für Projekte zur Leseförderung zu erschließen. Dass derartige Initiativen Wirkung zeigen, beweist eine aktuelle Studie der Universität Koblenz / Landau. Untersucht wurde die Initiative „Zeitung Lesen macht Azubis fit“ des BDZV in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Laut der Studie haben die Auszubildenden mithilfe der Zeitungslektüre vom Projektstart bis -ende ihr Allgemeinwissen um 11,3 Prozentpunkte verbessern können. Die Kontrollgruppe, die in diesem Zeitraum keine Zeitung gelesen hat, konnte sich dagegen nur um 3,6 Prozentpunkte steigern. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass mithilfe der Initiative das Interesse an Politik und Wirtschaft sowie die Bindung an Tageszeitungen signifikant gesteigert werden konnte.

Schnücker appellierte an die Verlage, auf diesem Gebiet die Forschung noch weiter voranzutreiben. Zwar gebe es bereits einige Aktivitäten, um das junge Publikum an die Zeitung heranzuführen. Aber es fehle oftmals der Nachweis über den tatsächlichen Erfolg. bn
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