BDZV beklagt unfaire Konkurrenz im Internet

Dienstag, 05. Juli 2011
Geschäftsführer Dietmar Wolff bei der BDZV-Jahrespressekonferenz
Geschäftsführer Dietmar Wolff bei der BDZV-Jahrespressekonferenz


Die Zeitungen können bislang nicht vom Aufschwung in Deutschland profitieren. "Von dem für 2011 prognostizierten Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent sind die Verlage leider sehr weit entfernt", sagte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff bei der Jahrespressekonferenz des Bundesverbandes Deutscher Zeitschriftenverleger BDZV in Berlin. Außerdem hat der Verband erneut den "unfairen Wettbewerb" im Internet beklagt. Das Anzeigenvolumen war in den ersten vier Monaten des Jahres sogar leicht rückläufig. Vor allem bei den Geschäftsanzeigen (Markenartikel, Handelsanzeigen und lokale Geschäftsanzeigen) habe es einen Einbruch von 11,4 Prozent gegeben. Die Zeitungen müssten daher "jetzt alle Kraft darauf verwenden, sich noch offensiver als attraktives Werbemedium ins Spiel zu bringen".

Zu schaffen macht den Verlagen vor allem die Konkurrenz im und durch das Internet. Dort sehen sich die klassischen Medienhäuser gleich von mehreren Seiten bedrängt: Einerseits würden international agierende Internetkonzerne wie Google oder Facebook immer stärker auch in lokale Märkte vordringen. "Zeitungen sind die local heroes. Doch für diese herausragende Stellung müssen wir in Zukunft noch härter arbeiten", betonte Wolff. Andereseits beklagte der Verband der Zeitungsverleger erneut die Konkurrenz durch gebührenfinanzierte Apps der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie die Tagesschau-App der ARD. Diese seien "Killer für ein digitales Geschäftsmodell der Presse".

Die Zeitungsverlage kämpfen daher an mehreren Fronten gegen die Konkurrenz im Netz: So würden alle im BDZV organisierten Verlage die Klage von acht Zeitungsverlagen gegen die Tagesschau-App unterstützen. Zudem habe man die Europäische Kommission über die Wettbewerbsklage informiert. Auch gegen den Suchmaschinengigant Google sind derzeit Verfahren vor den deutschen und europäischen Wettbewerbsbehörden anhängig. Dabei geht es um das Ranking in den Suchergebnissen (Fair Search) sowie die Beteiligung an den Einnahmen, die Google nach Ansicht der Verleger mit den von ihnen produzierten Inhalten erzielt (Fair Share).

Außerdem legte der Verband im Rahmen der Pressekonferenz Zahlen zur Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr vor: So hätten die Zeitungsverlage das Jahr 2010 mit einem knappen Umsatzplus von 0,7 Prozent abgeschlossen. Der Umsatz von Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Wochen- und Sonntagszeitungen sowie Supplements betrug 8,5 Milliarden Euro. Im Werbemarkt mussten die Verlage ein Minus von 1,2 Prozent hinnehmen, der Werbeumsatz betrug insgesamt 3,9 Milliarden Euro. Die Vertriebsumsätze kletterten dagegen auf 2,3 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Die Vertriebserlöse tragen inzwischen 54 Prozent zum Gesamtumsatz der Zeitungsverlage bei.

Die Auflagen der Zeitungen sind insgesamt weiter rückläufig und gingen im 4. Quartal 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,35 Prozent zurück. Während die Wochenzeitungen ihre Auflage mit einem kleinen Plus von 0,7 Prozent weitgehend stabil halten konnten - getragen vor allem vom Auflagenwachstum der "Zeit" - gehen die Auflagen der anderen Zeitungstypen weiter zurück: Die lokalen und regionalen Abozeitungen verloren im Vorjahresvergleich zwei Prozent, überregionale Blätter drei Prozent, Straßenverkaufszeitungen vier Prozent sowie Sonntagszeitungen drei Prozent. dh
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