BDZV: Zeitungsbranche durchlebt das härteste Jahr ihrer Geschichte

Donnerstag, 09. Juli 2009
BDZV-Chef Dietmar Wolff
BDZV-Chef Dietmar Wolff

Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise treffen den deutschen Zeitungsmarkt hart. "Das Jahr 2009 wird als das bisher schwierigste in die Geschichte der Zeitungen eingehen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Dietmar Wolff, heute bei der Jahrespressekonferenz in Berlin. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ist das Anzeigenvolumen der Zeitungen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwölf Prozent zurückgegangen. Aufgrund der Situation im Arbeitsmarkt seien die Stellenanzeigen stark rückläufig (minus 41,1 Prozent), so Wolff. Rückgänge gab es auch im Bereich Immobilien (minus 18,2 Prozent), Autorubriken (minus 17,6 Prozent) und Markenartikel (minus 23,1 Prozent). Bei den so genannten Großformen des Handels und bei den Familienanzeigen gab es dagegen ein leichtes Plus.

Die Umsätze aus Anzeigen und Beilagen sind um 4,1 Prozent auf 4,6 Millionen Euro zurückgegangen, während die Vertriebsumsätze um 2,6 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro gestiegen sind. Der Gesamtumsatz von 9,1 Milliarden Euro entspricht dem Niveau von 1995. Vor allem angesichts der Kostenentwicklung ist dieses Ergebnis laut Jörg Laskowski, Geschäftsführer Verlagswirtschaft des BDZV, nicht zufriedenstellend. Für das laufende Jahr sei mit weiteren Umsatzausfällen zu rechnen. Die Zeitungsauflagen sind im 1. Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent gesunken. Während die Wochenzeitungen um 1,5 Prozent zulegten, verzeichneten alle übrigen Kategorien Rückgänge.

Trotz dieser zahlreichen schlechten Nachrichten fürchtet Wolff nicht, dass es in Deutschland zu einem Zeitungssterben wie derzeit in den USA kommt. Anders als in den Vereinigten Staaten seien die Zeitungen hierzulande sehr gut aufgestellt. Besonders im Lokalen hätten sie eine sehr enge Bindung zu ihren Lesern und das Vertriebssystem mit der Zustellung bis zur Haustür sei weltweit beispielhaft. Zudem gelte hier nicht der ausschließlich renditeorientierte Sharholder Value, sondern die deutsche Zeitungsbranche seit eher durch mittelständische Verleger mit einem publizistischen Anspruch geprägt.

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation spricht sich Wolff erneut gegen direkte Staatshilfen aus. Er fordert von den Politikern, die Rahmenbedingungen für die Presse zu verbessern: "Wenn es der Politik wirklich ernst ist mit dem unverzichtbaren Beitrag der Zeitung für die Demokratie, dann muss sich dies stärker als bisher in der Gesetzgebung niederschlagen." Er spricht sich beispielsweise für die Lockerung des Wettbewerbsrechts aus, ein Leistungsschutzrecht für Zeitungsinhalte im Internet sowie eine Abschaffung der Mehrwertsteuer für Presseerzeugnisse. bn
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