BDZV-Präsident Heinen wagt optimistischen Blick ins Jahr 2012

Freitag, 23. Dezember 2011
Optimistisch: BDZV-Präsident Helmut Heinen
Optimistisch: BDZV-Präsident Helmut Heinen

Mit vorsichtigem Optimismus blickt die Zeitungsbranche ins Jahr 2012. Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), rechnet zumindest mit stabilen Einnahmen aus Vertrieb und gleichbleibenden Werbeerlösen - "vorausgesetzt, dass die Euro-Krise die deutsche Wirtschaft nicht in einen starken Abschwung stürzt". Wie Heinen in einem Gespräch mit der dpa betont, sei das Glas halbvoll: Der Auflagenrückgang, der derzeit zwischen zwei und drei Prozent liegt, könnte 2012 etwas langsamer voranschreiten, zumal die Branche bei Online-Reichweiten und bezahlten Inhalten allmählich erfolgreicher werde.

Auch das zurückliegende Jahr könne  als "zufriedenstellend" bezeichnet werden. Die Einnahmen der Verlage seien stabil geblieben. Die Werbeumfänge seien zwar um etwa 3,5 Prozent zurückgegangen, aber mit steigenden Vertriebseinnahmen ausgeglichen worden. Als besorgniserregend bezeichnete Heinen dagegen die Situation in wirtschaftlich schwachen Regionen. Qualitativ hochwertige journalistische Angebote hätten hier kaum eine Überlebenschance.

Verhalten optimistisch schätzt der BDZV-Präsident den Ausgang der derzeit laufenden Gespräche zwischen Verlegern und öffentlich-rechtlichen Sendern über Apps für Tablets ein: "Es gibt eine sehr offene Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Die Stimmung ist gut." Im Juni hatten die Verlage Axel Springer, WAZ, M. Dumont Schauberg, Rheinische Post und Lensing Wolff sowie die Medienholding Nord, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Süddeutsche Zeitung" Klage gegen die ARD-App Tagesschau.de eingereicht. Die App beinhalte zu viele Texte und stelle damit einem rundfunkstaatsvertraglich untersagtes presseähnliches Angebot dar. "Es ist spürbar, dass beide Seiten versuchen, eine einvernehmliche Lösung zu finden, aber ob es wirklich gelingen wird, ist offen", sagte Heinen. Bis zum nächsten Gesprächstermin im März rechne er jedoch mit einem Ergebnis.

Von der Politik erwartet Heinen eine deutliche Lockerung der Pressefusionskontrolle. Der aktuelle Gesetzesentwurf der Bundesregierung gehe noch nicht weit genug. Etwa müsse es möglich sein, Zeitungen zu retten, bevor sie insolvent sind: "Wir wollen nicht abwarten, bis der Patient klinisch tot ist, wir möchten schon zuvor handeln können." kl
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