BDZV-Präsident Heinen: Zeitungsverlage können Gewinner des digitalen Wandels sein

Montag, 24. September 2012
BDZV-Präsident Helmut Heinen
BDZV-Präsident Helmut Heinen


Zuversicht – ein Wort, das in den vergangenen Monaten nicht unbedingt in einem Atemzug mit dem Wort Zeitung genannt worden ist. Dabei sei Pessimismus zur Zukunft des Mediums alles andere als angebracht, sagte Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), bei der Eröffnung des Zeitungskongresses in Berlin.
Die Verlage hätten alle Voraussetzungen, als Gewinner des digitalen Wandels hervorzugehen, denn: "Das Glas unserer Reichweite war noch nie so voll." Laut dem BDZV-Chef erreichen Zeitungsmarken gedruckt, online und mobil "ein Publikum so groß wie nie zuvor", und auch die Reichweite der gedruckten Zeitung sei "recht stabil". Außerdem seien fast 40 Prozent der Menschen über 14 Jahren regelmäßig als Unique User auf den Verlagswebsites unterwegs. Die Digitalisierung habe zusätzliches Handwerkszeug gebracht, mit dem die Zeitungen erfolgreich ihre Position in einem sich dramatisch verändernden Umfeld behaupten könnten.

Optimismus, der angesichts der einbrechenden Anzeigen- und Rubrikenmärkte, dem zunehmenden Konkurrenzkampf im Werbemarkt und den an manchen Orten bereits angekündigten Stellenabbau von Verlagen durchaus verwundert. Zwar verwies Heinen auf die Abhängigkeit der Branche von der deutschen Wirtschaft und der Entwicklung der Eurokrise, sparte Kommentare zu aktuellen Herausforderungen wie beispielsweise eine Zusammenarbeit in der Vermarktung oder ein besseres Gattungsmarketing der Branche allerdings komplett aus.

Schließlich gibt es auch noch den Gesetzgeber, der an den nötigen Stellschrauben drehen kann. So begrüßte Heinen den Entschluss von Bundesrat und Bundestag, die Forderungen der Zeitungsverleger nach einer "behutsamen Lockerung der Regelung zur Pressefusionskontrolle" in den Blick zu nehmen. Schließlich würden die anstehenden Herausforderungen "in vielen Fällen größere unternehmerische Einheiten fordern".

Ein Gesetz soll auch beim Leistungsschutzrecht helfen, selbst wenn der Verlegerpräsident klagt, dass sich die Regierung hier "nur zu einer sehr kleinen Lösung" habe durchringen können. Der Staat müsse faire Marktbedingungen garantieren, und das gelte nicht nur im Wettbewerb gegen Suchmaschinengigant Google, sondern auch hinsichtlich der geforderten Liberalisierung des Postmarktes und dem Konflikt mit den öffentlich-rechtlichen Sendern über die Tagesschau-App. Immerhin würden die Zeitungverleger keine finanziellen Hilfen vom Staat beanspruchen. "Auch nicht in Zeiten, wo große Investitionen in unsere digitale Zukunft notwendig werden, ohne dass wir derzeit genau wissen, wie eine nachhaltige Refinanzierung des digitalen Geschäfts aussehen wird." Wenigstens an dieser Stelle ließ der BDZV-Präsident durchhören, dass Optimismus allein der Branche nicht hilft. kl
Meist gelesen
stats