BDZV-Präsident Heinen: "Reichweitenvergleiche verbieten sich"

Mittwoch, 12. Juni 2013
BDZV-Präsident Helmut Heinen hielt die Keynote beim 2. Zeitungsgipfel
BDZV-Präsident Helmut Heinen hielt die Keynote beim 2. Zeitungsgipfel


Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), warnt vor einfachen Reichweitenvergleichen mit anderen Gattungen. Zeitungen werden über 30 Minuten am Tag genutzt, TV dagegen über 200. "Anders als beim Rundfunk ist das aber eine aufwendige Nutzung", sagte Heinen in seiner Keynote vor rund 200 Zuhörern beim 2. Zeitungsgipfel in Wiesbaden von HORIZONT und The Conference Group. Während beim Autofahren Radio gehört wird und während des Fernsehens gebügelt, wird die Zeitung in der Regel einfach nur gelesen. "Ein einfacher Vergleich der Nutzungszahlen verbietet sich", so Heinen. Für die Zukunft hält er mehrere Szenarien für möglich: Zum einen könnten Zeitungen wochentags nur noch online und mobil erscheinen und nur am Wochenende als gedruckte Ausgabe. Nach diesem Modell arbeitet im Prinzip die Wochenzeitung "Zeit". Ebenfalls für denkbar hält er, dass die Vertriebspreise schnell weiter in die Höhe gehen. "Die Zeitungen können ein Produkt für die Elite sein", sagt er.

Heinen warnt vor der Gleichmacherei im Journalismus, die die neuen Devices wie Smartphones und iPads mit sich bringen. Die kleineren Bildschirme führen zu einer anderen Darstellung, Nachrichten müssen kompakter und zugespitzter werden und bestimmte Keywords beinhalten, die von den Suchmaschinen gut gefunden werden. "Mit der Folge, dass unterschiedliche Autoren bei unterschiedlichen Medien zu den gleichen Ergebnissen kommen."

Auch auf einen anderen Trend werden die Zeitungen reagieren müssen: Die jüngeren Zielgruppen interessieren sich unterdurchschnittlich für die typischen Zeitungsthemen "und sehr für ihren eigenen Lebensbereich". Zugespitzt: Kosmetik interessiert sie mehr als Wirtschaft. Das müsse sich perspektivisch auch inhaltlich in den Zeitungen widerspiegeln. pap
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