BDZV: "Müssen den Handel für die Zeitung neu begeistern"

Dienstag, 17. Juli 2012
Kämpferisch: BDZV-Geschäftsführer Dietmar Wolff
Kämpferisch: BDZV-Geschäftsführer Dietmar Wolff


Angesichts bröckelnder Auflagen und des schärfer werdenden Wettbewerbs zwischen den Mediengattungen um knappe Werbebudgets ist es schon ein Erfolg, wenn die deutschen Zeitungsverlage stabile Erlöse verkünden können: Um 0,1 Prozent gingen die Gesamterlöse der Zeitungen im Jahr 2011 zurück. Dabei konnten Steigerungen bei den Vertriebserlösen den Rückgang im Anzeigengeschäft nahezu kompensieren. Im Hinblick auf den digitalen Medienwandel gibt sich die Branche kämpferisch - und hofft auf die Hilfe der Politik. Insgesamt erzielten die deutschen Zeitungsverlage im vergangenen Jahr Erlöse in Höhe von 8,51 Milliarden Euro. Das gab der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger BDZV bei seiner Jahrespressekonferenz in Berlin bekannt. Immer wichtiger werden dabei die Vertrieberlöse, betonte der Geschäftsführer Vertriebswirtschaft Jörg Laskowski. Diese tragen mittlerweile 55 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Die Umsätze aus Anzeigen und Beilagen gingen derweil um 2,2 Prozent zurück.

Vor allem die Konzentrationsentwicklungen im Handel machen den Verlagen eigenen Angaben zufolge zu schaffen. Zugleich gaben sich die Verlagsmanager aber auch selbstkritisch: "Wir müssen den Handel für die Zeitung neu begeistern", betonte Laskowski. Man müsse der Branche neue kreative Werbemöglichkeiten im Zusammenspiel von Print, Online und Mobil bieten. Viele Handelsunternehmen, traditionell die wichtigsten Anzeigenkunden der Tageszeitungen, hatten der Gattung im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt.

Weiter unter Druck stehen die Zeitungsverlage auch durch die rückläufige Auflagenentwicklung: Im 1. Quartal ging die verkaufte Auflage der Zeitungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 3 Prozent zurück. Erfreulich sei daher die Entwicklung im Bereich der elektonischen Zeitungen: Mittlerweile werden pro Erscheinungstag rund 180.000 E-Paper verkauft - ein Zuwachs von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Internet tun sich die Verlage dagegen noch schwer, die Reichweiten ihrer Portale auch angemessen zu kapitalisieren: Die meisten Printhäuser sehen daher keine Alternative zu Paid Content.

Angesichts der immensen Herausforderungen durch die Digitalisierung gibt sich die Branche zwar kämpferisch, setzt aber auch große Hoffnungen in die Politik. Aktuell kämpfen die Verlage gleich an mehreren Fronten gegen unliebsame Konkurrenz und um eine Erleichterungen für die Branche: In Berlin drängen die Verlage auf die Einführung eines Leistungsschutzrechtes für Verlage und Erleichterungen bei der Pressfusionskontrolle, in Brüssel treiben die Verlage ein Kartellverfahren gegen Google weiter voran. Am Donnerstag dieser Woche wird am Langericht Köln die Klage mehrerer Zeitungsverlage gegen die Tagesschau-App der ARD verhandelt.

Rückzugsgefechte oder Aufbruch in die digitale Zukunft? Für den BDZV steht fest: "Unsere Branche ist stark. Zeitung ist Zukunft. Sie ist Mitgestalter der tiefgreifenden und noch lange anhaltenden Weiterentwicklung in der gesamten Kommunikationsindustrie", sagte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. dh
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