BDZV: Keine Indikatoren für eine Trendwende

Donnerstag, 04. Juli 2002

Der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) sieht derzeit keine Indikatoren für eine Trendwende in der wirtschaftlichen Situation für die Verlage. Die Ergebnisse der letzten Monate liegen auf dem Niveau von 1997 und 1998, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Schulze heute in Berlin. Damals allerdings seien die Prognosen im Gegensatz zu heute gut gewesen. "Der Silberstreif am Horizont ist sehr, sehr dünn." Es seien keine großen Kampagnen zu erwarten. Nach Ansicht von Jörg Laskowski, Geschäftsführer Verlagswirtschaft, ist die Talsohle aber erreicht: "Ich glaube nicht, dass es noch weiter bergab geht."

Im Monat Mai sank die Menge der Anzeigen in deutschen Zeitungen insgesamt um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in Ostdeutschland sogar um 21 Prozent. Der Stellenmarkt brach im Mai um 48 Prozent ein. In den ersten fünf Monaten gingen die Anzeigenumfänge im Vergleich zum Vorjahr um 14, in Ostdeutschland um 17 Prozent zurück. Neben den Stellenanzeigen mit Minus 43 Prozent traf es besonders Immobilien-, überregionale und Kfz-Anzeigen. Einzig die Reiseanzeigen verzeichneten ein Plus von fünf Prozent. Die Zeitungen bleiben trotz der Verluste weiterhin das Werbemedium Nummer 1, sagte Laskowski.

Die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen würden die Zeitungsverlage in einer Zeit des Strukturwandels treffen. Die Umwandlung der Häuser zu Medienunternehmen in allen Gattungen sei dadurch besonders belastet. Bereits im vergangenen Jahr musste die Branche ein Umsatzminus aus Anzeigen, Beilagen und Vertrieb in Höhe von 8,2 Prozent hinnehmen, die Erlöse gingen von 10,8 auf zehn Milliarden Euro zurück.

Prognosen für dieses Jahr wollte die BDZV-Spitze nicht geben. Laut Laskowki könne man ungefähr rechnen, dass der Umfangrückgang bei den Anzeigen dem des Umsatzrückgangs entspreche. Die Zeitung Marketing Gesellschaft (ZMG) appellierte an die Werbung treibende Wirtschaft, antizyklisch zu werben.
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