BBDO-Manager Schipper zur Facebook-Timeline: "Datensicherheit für Zuckerberg hoch sensibles Thema"

Montag, 30. Januar 2012
So sehen die Profile nach Einführung der Timeline aus (Bild: blog.facebook.com)
So sehen die Profile nach Einführung der Timeline aus (Bild: blog.facebook.com)


Bei Facebook finden derzeit die gravierendsten Veränderungen seit Gründung des Netzwerks im Jahre 2004 statt. In den kommenden Wochen soll die "Timeline" - zu Deutsch "Chronik" - auf allen Nutzerpofilen weltweit eingeführt werden. Alles, was der Nutzer jemals auf seiner Seite veröffentlicht hat, ist dann auf einen Blick aufgelistet. Was für Datenschützer ein Graus ist, kann für Agenturen und Unternehmen auch Chancen bieten, sagt Michael Schipper, COO bei der Agentur BBDO.
Ende vergangener Woche sah sich Facebooks Deutschland-Sprecherin Tina Kulow zu einer Stellungnahme gezwungen: "Die Chronik wird in den nächsten Wochen für alle Nutzer weltweit verfügbar sein. Dieser Rollout wird einige Wochen dauern. Es gibt keinen festen Termin, wann alle deutschen Facebook-Nutzer die Chronik erhalten." Zuvor hatte sich das Gerücht herumgesprochen, am 1. Februar werde das neue Profil für alle deutschen User verpflichtend eingeführt.

Es ist nicht die einzige Unklarheit, die mit der großen Veränderung einhergeht. Zahlreiche Nutzer fragen sich, ob sie nach dem Rollout der Timeline noch die Hoheit über ihre eigenen Daten und Angaben haben. "Es werden keine Informationen sichtbar, die vorher nicht sichtbar waren", heißt es dazu von Facebook. Und: "Bei der Chronik bleiben alle bisherigen Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer bestehen." Viel Lärm um nichts also?

Michael Schipper
Michael Schipper
In der Tat ist die Verunsicherhung der User wohl übertrieben, meint Michael Schipper: "Ich bin sicher, dass Mark Zuckerberg Datensicherheit als hoch sensibles Thema einschätzt", sagt der anerkannte Online-Experte und Chief Operating Officer der Agentur BBDO in Düsseldorf. "Sicherlich bemüht sich Facebook stets, möglichst viele Daten eines Nutzers zu erhalten, aber die finale Entscheidung, diese Daten tatsächlich preiszugeben, liegt immer noch beim - hoffentlich - mündigen Nutzer." Von einem Kontrollverlust über hochgeladene Nutzerdaten könne deswegen derzeit nicht die Rede sein.

Die Chancen, die im weltweit größten sozialen Netzwerk liegen, seien nach wie vor groß: "Schließlich führen noch treffsichere Angebote an noch tiefer differenziertere Zielgruppen zu einer noch stärkeren Markenpräferenzbildung und zu noch höherem Absatzchancen", sagt Schipper. Um die User nicht zu vergraulen, sei es für Facebook jedoch oberstes Gebot, gewisse Regeln einzuhalten - das gelte auch für werbungtreibende Unternehmen mit eigener Facebook-Präsenz: "Denn wenn Nutzer den Eindruck gewinnen, dass Facebook sich zunehmend von einer Kommunikations- zu einer Werbeplattform verändert, ist die Abwanderung vorprogrammiert. Deshalb sollte hier besser nicht mit platten werblichen Ansprachen gearbeitet werden. Es muss vielmehr darum gehen, die Fans mit der Marke zu befreunden und sie dann mit exklusiven Inhalten und Angeboten zu interessieren", rät Schipper. Wie der Branchendienst "Business Insider" unter Berufung auf Insider meldet, soll die Timeline ab dem 29. Februar auch für Unternehmensseiten verfügbar sein.

Alternative Google+?
Alternative Google+?
Dass nun die Nutzerzahlen bei Facebook sinken, dürfte kaum zu erwarten sein. Schon allein deswegen, weil viele Nutzer bereits jetzt ein reichlich paradoxes Verhalten an den Tag legen: "Einerseits hegen die meisten User Bedenken, dass Facebook unsauber mit ihren Daten umgeht. Dennoch erfreut sich Facebook an immer mehr aktiven Mitgliedern, die trotz ihrer Bedenken munter Fotos hochladen und teilen", sagt Schipper. Zudem mangelt es an Alternativen. Wer sein Facebook-Profil heute löscht, läuft Gefahr, im virtuellen Leben den Anschluss zu verlieren. Denn, gibt Schipper zu bedenken, der große Konkurrent Google+ sei noch lange nicht so weit wie Facebook: "Google+ bleibt solange die schlechtere Alternative, bis es die Reichweite, also die Menge der Nutzer, von Facebook überholt. Das dürfte – zumindest in Deutschland – noch länger so bleiben. Und dann stellt sich außerdem noch die Frage, ob Google+ die Verweildauer der Nutzer auf der Plattform überholen kann – die eigentliche Währung auf Sozialen Netzwerken." ire
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