BBC-Boss Mark Thompson geht zur "New York Times"

Mittwoch, 15. August 2012
Mark Thompson (Foto: New York Times)
Mark Thompson (Foto: New York Times)

Eine der renommiertesten Tageszeitungen der Welt hat einen neuen Chef gefunden: Der scheidende Generaldirektor der britischen BBC, Mark Thompson, soll ab November die "New York Times" in die digitale Zukunft führen. Die Berufung des 55-jährigen Briten durch den Verleger Arthur Sulzberger Jr. ist ein klares strategisches Signal. "Wir haben Leute, die Print verstehen, die Besten in diesem Geschäft. Wir haben Leute, die Werbung verstehen. Aber unsere Zukunft liegt in Bereichen wie Video, Social und Mobile", begründet Sulzberger die Berufung des TV-Profis Thompson, der fast sein gesamtes Berufsleben in Diensten der öffentlich-rechtlichen BBC stand. "Das macht ihn zu einem idealen Kandidaten, um die Times in diesen Zeiten zu führen, in denen wir unser Augenmerk darauf richten, unser Geschäft durch digitale und globale Expansion auszubauen."

Der Posten des CEO der "New York Times" war vakant, seit Janet Robinson den Verlag im Dezember 2011 überraschend verlassen hatte. Seitdem hatte Verleger und Verwaltungsratschef Sulzberger die Geschäfte selbst geführt. Das Medienhaus, zu dem unter anderem auch der "Boston Globe" und "The International Herald Tribune" gehören, kämpft wie fast alle Zeitungshäuser in den USA seit Jahren mit sinkenden Auflagen und Werbeeinahmen. Im vergangenen Quartal musste das Unternehmen wegen hoher Abschreibungen auf das Internetportal About.com einen Verlust von 88 Millionen US-Dollar verkraften.

Auf den neuen Chef Mark Thompson warten also große Herausforderungen. Der gelernte Journalist war seit 2004 Generaldirektor der BBC. Er machte die BBC mit ihren acht Fernsehsendern und rund 50 Radiokanälen fit für die digitale Zukunft, setzte trotz heftiger Kritik aber auch einen harten Sanierungskurs durch. Beide Qualitäten werden Thompsons auch bei der "New York" zugute kommen.  

Im März hatte der 55-Jährige angekündigt, sich nach dem Thronjubiläum der Queen und den Olympischen Sommerspielen in London zurückzuziehen. Zu dem Angebot der "New York Times" konnte er aber offensichtlich nicht Nein sagen. Thompson wird seinen neuen Posten im November antreten und auch zusätzlich in das oberste Firmengremium, den Verwaltungsrat einziehen. dh
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