Axel Springer stößt Regionaltitel an SHZ ab

Donnerstag, 05. März 2009
Axel Springer trennt sich von weiteren Regionaltiteln
Axel Springer trennt sich von weiteren Regionaltiteln

Der Medienkonzern Axel Springer dünnt sein Portfolio in Norddeutschland weiter aus. Das Unternehmen verkauft die Regionalzeitungen "Elmshorner Nachrichten" zu 100 Prozent sowie seinen 23-prozentigen Anteil am "Pinneberger Tageblatt" an den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (SHZ). Noch muss jedoch das Kartellamt grünes Licht für die Transaktion geben. Der SHZ war bereits zuvor mit 55 Prozent Mehrheitseigentümer des A. Beig-Verlages, zu dem neben dem "Pinneberger Tageblatt" vier weitere Zeitungstitel, mehrere Wochenblätter und Telefonbücher gehören. Mit der Übernahme baut der SHZ seine Position als auflagenstärkste Titelgruppe in Schleswig-Holstein weiter aus. Bislang publizierte das Unternehmen 14 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 187.000 Exemplaren und sechs Wochenblätter. Der SHZ galt selbst lange als Übernahmekandidat. Sowohl Madsack als auch die Essener WAZ Mediengruppe sollen für das Unternehmen geboten haben. Letztlich sind die Verkaufsverhandlungen laut Insidern jedoch an zu hohen Preisvorstellungen der Verkäufer gescheitert.

Springer schnürt mit dem Deal innerhalb weniger Wochen sein zweites großes Paket zum Verkauf. Erst Anfang Februar hat das Medienhaus seine regionalen Minderheitsbeteiligungen an der "Leipziger Volkszeitung" (50 Prozent), den "Lübecker Nachrichten" (49 Prozent), den "Kieler Nachrichten" (24,5 Prozent) sowie den Anteil an der norddeutschen Verlagsholding Hanseatische Verlags-Beteiligung (23 Prozent) an die Verlagsgruppe Madsack in Hannover für 310 Millionen Euro veräußert.

Die aktuelle Entscheidung Springers überrascht: Zwar ist bereits im Februar durchgesickert, dass noch weitere Verkäufe folgen sollen, allerdings war stets von Minderheitsbeteiligungen die Rede. In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Spiegel" sagt der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner dazu: "Wenn Mehrheiten nicht zu gewinnen sind, gibt man Minderheiten besser ab." Mit den "Elmshorner Nachrichten" trennt sich Springer jedoch nun erstmals von einer hundertprozentigen Tochter.

Wieviel der Medienriese mit dem Verkauf verdient, ist nicht bekannt. Beide Parteien haben hierüber Stillschweigen vereinbart. Mit dem Geld will Springer stärker in seine Digitalisierung, Internationalisierung und Mehrheitsbeteiligungen investieren. Die Titel "Harburger Anzeigen und Nachrichten" und "Bergedorfer Zeitung" sollen indes im Springer-Portfolio bleiben. Diese seien aufgrund der Aktivitäten des Unternehmens im Kernraum Hamburg von strategisch großer Bedeutung, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. bn
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