Axel Springer stellt "Newsweek" in Russland ein

Montag, 18. Oktober 2010
Ralph Büchi
Ralph Büchi

Axel Springer Russia, eine hundertprozentige Tochter des Axel-Springer-Konzerns, verlängert den seit 2004 laufenden Lizenzvertrag für die russische Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Newsweek" nicht. Das heute erscheinende Heft, wird die letzte Ausgabe des Titels sein. "Leider ist es uns nicht gelungen, den Titel dauerhaft auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen und ihm eine entsprechende Perspektive zu geben", begründet Ralph Büchi, President Axel Springer International, die Entscheidung. Analysten beziffern den jährlichen Verlust des Titels auf knapp eine Million Euro. Zuletzt hat laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" die Geschäftsführung in Moskau versucht, den Titel an einen russischen Investor zu verkaufen, um die Einstellung zu verhindern. Da dies gescheitert ist, werten Beobachter das Aus des Titels auch als ein Zeichen für den steigenden politischen Druck auf die Presse in Russland. Immer wieder wurde Springer laut "Spiegel" Repressalien ausgesetzt. Dass dies der Grund für die Einstellung von "Newsweek" ist, weist Axel Springer jedoch entschieden zurück: Ein Sprecher betonte gegenüber HORIZONT, dass Entscheidungen bei Axel Springer grundsätzlich nach unternehmerischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen würden, nicht aufgrund politischer Umstände oder Einflussnahme.

So hält Springer an seinen übrigen Russland-Aktivitäten fest. Weiterhin erscheinen bei Axel Springer Russia das Wirtschaftsmagazin "Forbes", die russische Ausgabe von "Computer Bild", das People-Magazin "OK!" sowie die im April 2010 erworbenen Titel "Geo", "Gala Biografia", "Geo Traveller" und "Geolenok". Büchi: "Axel Springer Russland ist mit dem Portfolio vielseitiger und erfolgreicher Medienmarken hervorragend positioniert und wir werden unsere Chancen für eine Weiterentwicklung und Akquisitionen auch in Zukunft nutzen."

Der bisherige "Newsweek"-Chefredakteur Mikhail Fishman, 37, soll als Korrespondent der "Welt"-Gruppe auch in Zukunft journalistische Aufgaben für Springer wahrnehmen. bn
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