Axel Springer präsentiert Applikation für das iPad

Mittwoch, 31. März 2010
Der E-Kiosk der Welt-Gruppe
Der E-Kiosk der Welt-Gruppe
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Axel Springers Welt-Gruppe hat eine Kiosk-App für das iPad entwickelt, mit der Nutzer die aktuellen Ausgaben der Titel "Welt", "Welt Kompakt" und der Tabloid-Variante der "Welt am Sonntag" lesen können. Damit will Springer als erster deutscher Verlag auf dem Apple-Tablet vertreten sein, der am 3. April in den USA auf den Markt kommt. Ob das klappt, ist noch nicht ganz sicher, denn der Computerhersteller gibt vorab keine Auskunft darüber, welche Anwendungen zur iPad-Markteinführung im App-Store vertreten sein werden. Bis zum Verkaufsstart in Deutschland will der Medienkonzern nicht warten. "Das Gerät ist prädestiniert für Abo-Modelle. Je früher die Welt-Gruppe als Innovationsführer der deutschen Qualitätszeitungsmarken dabei ist, desto mehr Erfahrungen können wir sammeln", begründet Jan Bayer, Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung "Welt"-Gruppe, "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt", gegenüber HORIZONT.NET.

Jan Bayer schließt eine exklusive Bindung an einen Gerätehersteller aus
Jan Bayer schließt eine exklusive Bindung an einen Gerätehersteller aus
Der Manager hat entschieden, zunächst eine schlichte Applikation zu launchen ohne Schnörkel wie Videos oder vertonte Beiträge. Das "Welt"-Angebot hat im Wesentlichen PDF-Funktionen wie das E-Paper; nur die Darstellung der Inhalte und Navigation ist leicht modifiziert. Dass er damit die Technik-Fans enttäuschen könnte, glaubt er nicht. "Unsere Erfahrungen mit dem iPhone haben gezeigt, dass gerade die PDF-Ausgabe sehr stark genutzt wird", erklärt Bayer. Ohnehin stehe ein Entwickler-Team bereit, um nach den ersten Erkenntnissen über die Nutzung des Tablets die "Welt"-App anzupassen und neue Produkte zu kreieren.

Das Geschäftsmodell basiert auf den beiden Säulen Paid Content und Werbevermarktung. Nach einer kostenlosen Testphase von 30 Tagen betragen die Abo-Preise für Digital-Objekte "Die Welt" 29,99 Euro, "Welt Kompakt" 12,99 Euro und das Tabloid der "WamS" 7,99 Euro. Damit liegen sie unter dem Niveau der gedruckten Version. Ein niedrigerer Preis wäre nicht infrage gekommen, denn Springer will die Chance des iPad nutzen "angemessene" Gebühren für seine journalistischen Inhalte in der digitalen Welt zu verlangen.

Auch in Sachen Werbevermarktung tut sich bereits etwas. Nach Angaben von Bayer haben große Markenartikler bei Axel Springer angeklopft. Sie wollen ihre Kampagne zum Deutschlandstart des iPad in der Kiosk-App der Welt-Gruppe platzieren. Details will Bayer nicht verraten. Nur soviel: Derzeit bastelt das Vermarktungsteam an Verrechnungsmodellen und Konzepten für die Umsetzung.

Für die Zukunft schließt Bayer nicht aus, die Kiosk-App zu erweitern. Denkbar ist, dass auch andere Springer-Titel darin integriert werden. Zu den Aktivitäten der Bild-Gruppe will er sich nicht äußern, aber es ist davon auszugehen, dass der Schwestertitel der "Welt" mit Hochdruck an einer eigenen iPad-Anwendung arbeitet.

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Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 13/2010, die am Donnerstag, 1. April erscheint.

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Trotz des Hypes um das Apple-Tablet will Springer zusätzlich auf weiteren Geräten präsent sein. "Wir führen auch Gespräche mit anderen Anbietern und Herstellern", bestätigt Bayer. So schließt er beispielsweise nicht aus, mit dem Berliner Unternehmen Neofonie zu kooperieren, der mit dem WePad die deutsche Antwort auf das iPad liefert und im Auftrag des Gruner+Jahr-Titels "Stern" eine E-Publishing-Software entwickelt hat. Auch der Online-Kiosk, an dem die G+J-Tochter Deutscher Pressevertrieb und der Bertelsmann-Buchhandelszweig Direct Group basteln, ist für Bayer eine Option. "Der Tablet-Markt beginnt gerade erst, sich zu entwickeln. Wir stellen uns bewusst plattformunabhängig auf, da es in diesem frühen Stadium falsch wäre, sich nur auf einen Endgeräteanbieter zu konzentrieren."  bn
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