Axel Springer: Neues Grundstück in Berlin schürt Spekulationen über Abkehr von Hamburg

Dienstag, 28. Februar 2012
Der Hauptsitz von Axel Springer in Berlin ...
Der Hauptsitz von Axel Springer in Berlin ...
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Das Thema wabert im Verlag fast jedes Jahr mal durch die Gänge: Holt Axel Springer nach dem Umzug seiner "Welt am Sonntag" (2001) und "Bild" (2008) von Hamburg nach Berlin bald auch die übrigen Titel, Abteilungen und Funktionen von der Elbe an die Spree? Gibt Axel Springer also seinen Stamm-Standort für den Hauptsitz in der Hauptstadt auf? Meistens gibt es keine nachvollziehbaren Anlässe für solche Spekulationen. Das ist jetzt anders. Und zwar deshalb: In Berlin hat Axel Springer vor ein paar Monaten gleich neben seinem Hauptsitz (Axel-Springer-Straße/Rudi-Dutschke-Straße/Zimmerstraße) ein Grundstück gekauft - von einem Konsortium, an dem auch der im Sommer 2011 verstorbene ehemalige Medienmogul und Springer-Kontrahent Leo Kirch und danach seine Erben beteiligt waren. Eine Springer-Sprecherin bestätigt den Grundstückskauf auf Anfrage von HORIZONT.NET.

Laut den im Verlag kursierenden Spekulationen könnte Springer auf diesem Grundstück ein zusätzliches Gebäude errichten - auch, um Platz zu schaffen für weitere Abteilungen aus Hamburg. Die dort frei werdenden Räumlichkeiten könnte der Verlag dann vermieten, wie bisher schon Teile des Hamburger Gebäudekomplexes. Dazu passt, dass die Mitte 2013 auslaufende Standortgarantie für Hamburg, die den Mitarbeitern 2007/2008 speziell im Rahmen des "Bild"-Umzugs nach Berlin gegeben worden war, nicht verlängert wird.

Gibt es entsprechende Pläne oder Gedankenspiele? "Weder noch", sagt die Verlagssprecherin: "Weitere Umzüge stehen nicht an". Man sehe Berlin und Hamburg als "gleichberechtigte Standorte". Es treffe allerdings zu, dass die Garantie für Hamburg nicht verlängert werde - keine Garantie sei aber der Normalfall: Axel Springer gebe, wie auch andere Unternehmen, üblicherweise keine Standortgarantien, auch nicht für Berlin. "Niemand kann wissen, was in fünf Jahren ist", soll Verlagschef Mathias Döpfner jüngst auf einer Betriebsversammlung nach Angaben von Teilnehmern dazu gesagt haben.

... und das Axel-Springer-Haus in Hamburg
... und das Axel-Springer-Haus in Hamburg
Eigentlich eine banale Feststellung: Kein Unternehmen gibt Ewigkeitsgarantien für den Status Quo, ebenso wenig wie umgekehrt die Arbeitnehmer und Menschen überhaupt: Das Leben an sich ist voller Unwägbarkeiten, und sogar auf ewig beabsichtigte Ehen werden geschieden.

Doch warum der Geländekauf in Berlin? Was ist damit geplant? "Es gab die Gelegenheit, das Grundstück zu interessanten Konditionen zu erwerben", sagt die Springer-Sprecherin. Was damit geschehe - Weiterverkauf, Bebauung zur Selbstnutzung oder Vermietung -, das sei "völlig offen" und hänge auch mit der weiteren Entwicklung des Hauses Springer zusammen, das "auf Wachstum programmiert" sei. Derzeit wird das Grundstück als Parkplatz genutzt.

Aktuell arbeiten in Hamburg neben den Redaktionen von "Hamburger Abendblatt" und der Regionalausgaben von "Bild" und "Welt" vor allem die Redaktionen und Verlagsabteilungen der Zeitschriften (alle Titel außer Musik- und einigen Autospezialmagazinen), Vertrieb und Logistik, Teile der Anzeigenvermarktung, des Direktmarketings, der Marktforschung, der IT, Buchhaltung, "Bild"-Herstellung und weitere Serviceabteilungen. Außerdem sitzen die Springer-Digitaltöchter Immonet und, wenig verwunderlich, das Stadtportal Hamburg.de in der Hansestadt, ebenso wie die TV-Produktionsfirma Schwartzkopff. Inklusive der konsolidierten Töchter arbeiten in Hamburg 2750 Mitarbeiter für den Konzern (Berlin: 3400). Separate Zahlen für den Verlag nennt das Haus nicht. rp
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