Axel Springer: Digital-Sparte überholt erstmals Zeitschriften

Dienstag, 11. Mai 2010
Mathias Döpfner hebt die Prognose für 2010 an
Mathias Döpfner hebt die Prognose für 2010 an

Der Medienkonzern Axel Springer hat im 1. Quartal 2010 sein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) um 48,4 Prozent auf 119,2 Millionen Euro verbessert und damit einen Rekord in der Unternehmensgeschichte erzielt. Die Ebitda-Rendite stieg von 13 Prozent im Vergleichszeitraum 2009 auf 18 Prozent. Der Konzernumsatz kletterte um 7 Prozent auf 663,7 Millionen Euro nach oben. Die Talsohle im Werbemarkt ist offenbar durchschritten. Die Anzeigenerlöse legten mit einem Zuwachs von 12,3 Prozent auf 299 Millionen Euro deutlich zu. Vor allem im März sei es zu einer starken Belebung gekommen. "Die Aufhellung im Anzeigengeschäft zeigt sich nicht nur bei uns. Im gesamten Markt ist eine Trendwende sichtbar", sagte der Vorstandvorsitzende Mathias Döpfner bei der Bilanzpressekonferenz. Damit sind die Zahlen durchaus als positives Signal für die gesamte Medienbranche zu werten.

Dagegen sanken die Vertriebserlöse von Axel Springer um rund 11 Millionen Euro auf 278,3 Millionen Euro. Grund hierfür sind in erster Linie die Verkäufe der Frauen- und Jugendzeitschriften ("Mädchen", "Popcorn" und "Jolie") im vergangenen Jahr. Außerdem entfielen Effekte aus den Copypreiserhöhungen der "Bild"-Zeitung im Jahr 2008. Eine erneute Anhebung des Preises für das Boulevardblatt schließt Döpfner für 2010 aus.

Der wichtigste Wachstumsmotor bleibt für den Medienkonzern das Digital-Geschäft. Erstmals lieferte das Segment mit 160 Millionen Euro den zweitgrößten Umsatzbeitrag - und überholte damit das Geschäftsfeld Zeitschriften National. Der Anteil am Konzernumsatz hat sich auf 25 Prozent vergrößert. Im Jahr 2009 lag er noch bei rund 21 Prozent. Maßgeblich trug hierzu die erstmalige Konsolidierung der neu erworbenen Gesellschaften Stepstone, Digital Window und Perfiliate (Buy.at) bei. Organisch wuchsen die digitalen Aktivitäten um 8,4 Prozent, vor allem durch Erlössteigerungen der Content-Portale Idealo und Gamigo. Das Segment steigerte die Werbeerlöse um 47,3 Prozent auf 113,5 Millionen Euro und die übrigen Erlöse um 68,7 Prozent auf 46,5 Millionen Euro. Das Ebitda verdoppelte sich nahezu auf 13,3 Millionen Euro. Döpfner sieht darin eine Bestätigung seiner "Online-First-Strategie": "Die Transformation in die digitale Welt bietet für ein Inhalte-Unternehmen viel mehr Chancen als Risiken."

Das umsatzstärkste Segment Zeitungen National erzielte insgesamt einen Umsatz von 289,4 Millionen Euro. Trotz eines Rückgangs von 3 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr steigerte das Geschäftsfeld das Ebitda deutlich um 19,7 Prozent auf 77,6 Millionen Euro. Hier zeigten die Maßnahmen zur Restrukturierung und Kostensenkung ihre Wirkung. Die Ebitda-Rendite legte von 22,2 Prozent auf 26,8 Prozent zu und lag damit nur knapp unter dem bisherigen Höchstwert. "Die sehr hohen Gewinnmargen zeigen: Der Abgesang auf das Print-Geschäft ist falsch", kommentiert Döpfner diese Entwicklung. Die Werbeerlöse stiegen - vor allem Dank des Flaggschiffs "Bild" - leicht um 0,9 Prozent (plus 1,2 Millionen Euro) gegenüber einem Minus von 2,8 Prozent (minus 4 Millionen Euro) im Vertrieb.

Das drittstärkste Umsatzsegment Zeitschriften National leidet auch weiterhin an einem Rückgang im Anzeigengeschäft. Die Werbeerlöse verminderten sich auf 30,4 Millionen Euro (Vorjahr 33,2 Millionen Euro). Die Vertriebserlöse sanken aufgrund der Portfoliobereinigung im vergangenen Jahr deutlich um 6,2 Millionen Euro auf 82,9 Millionen Euro. Der Umsatz der Sparte fiel um 6,1 Prozent auf 119,2 Millionen Euro. Allein Dank der starken Einsparungen im vergangenen Jahr konnte das Ebitda nahezu verdoppelt werden. Es stieg um 92,8 Prozent auf 25,2 Millionen Euro an. Die Ebitda-Rendite erreichte mit 21,1 Prozent einen neuen Höchstwert.

Wie schwierig die Situation auf dem Zeitschriftenmarkt weiterhin ist, zeigte jüngst der Ausstieg von Axel Springer und der Essener WAZ Mediengruppe aus dem Print-Projekt "Die Woche" des ehemaligen "Spiegel"-Chefredakteurs Stefan Aust. "Die Vermarktungspotenziale sind nicht groß genug, um die Wirtschaftlichkeit des Titels zu gewährleisten", begründet Döpfner die Entscheidung gegenüber der Presse. Auch Experten stimmen ihm hier zu. "Die Werbegelder reichen nicht aus, um vier Nachrichtenmagazine am Markt halten zu können. Eines wäre früher oder später eingestellt worden oder hätte sich neu positionieren müssen", sagt ein Analyst gegenüber HORIZONT.NET. Außerdem mehren sich aktuell wieder die Gerüchte, dass Axel Springer seine Wirtschaftstitel verkaufen will (unter anderem "Euro", "Euro am Sonntag" und Wallstreet Online). Dies wollte Döpfner nicht bestätigen. "Wir können noch überhaupt keine Option ausschließen. Das kann Weiterfühung, Verkauf oder sogar Einstellung bedeuten."

Das Segment Print International stabilisiert sich nach den Einbrüchen im vergangenen Jahr wieder. Der Umsatz der internationalen Zeitungen und Zeitschriften lag mit 71,6 Millionen Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Nach einem operativen Verlust von 2,4 Millionen Euro im 1. Quartal 2010 erzielte das Segment nun ein Ebitda von 5,4 Millionen Euro und eine Ebitda-Rendite von 7,5 Prozent.

Bei der Prognose für das gesamte Geschäftsjahr gibt sich das Management verhalten optimistisch. Die Unternehmensführung geht zwar davon aus, dass sich das Anzeigengeschäft im 2. Quartal weiter erholen wird. Allerdings gibt Döpfner auch zu bedenken, dass sich die aktuelle Unsicherheit durch die Währungsturbulenzen negativ auf den Werbemarkt auswirken könne. "Es ist möglich, dass die Kunden aufgrund der Verunsicherung durch die Griechenland-Krise doch wieder ihre Budgets einfrieren." Dennoch sei die Entwicklung bei Axel Springer im 1. Quartal sehr viel positiver gewesen als erwartet, weshalb eine Anhebung der Prognose gerechtfertigt sei. Döpfner rechnet damit, dass der bisher prognostizierte Anstieg des Ebitda von rund 10 Prozent "deutlich übertroffen wird". bn
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