Ausweitung der Zahlzone: Was die Medien bei Paid Content am meisten bewegt

Donnerstag, 12. Mai 2011
G+J-Manager Volker Breid
G+J-Manager Volker Breid

Wie sich die Zeiten ändern: Galt es vor ein, zwei Jahren noch als unmodern und unschicklich, sich als Verlagsmensch laut Gedanken über Bezahlinhalte zu machen, so wirkt es nun fast ewiggestrig, sich diese Gedanken nicht zu machen. Vor allem bei Apps für Smartphones und Tablets, aber auch im Web. Jetzt geht es nur noch ums „Wie", „Was genau", „Wie viel" und „Wann" - und um die richtige Kommunikation der Zahlschranken. Pricing ist ein strategisches Thema, sagte Volker Breid, Geschäftsführer der G+J-Verlagsgruppe Frauen/Familie/People, beim „Paid Content Forum" der VDZ Akademie am Mittwoch in Hamburg: „Jeden Tag klopft bei uns ein Sponsor an, der unsere Apps finanzieren will, doch wir müssen dieser Versuchung widerstehen und auch einen Verkaufspreis setzen - als Kommunikationsmittel." Wie (hoch) man den Preis festlegt, sei in dieser Frühphase der App-Wirtschaft zunächst zweitrangig; wichtig sei jetzt erstmal das Signal in den Nutzermarkt.

Und im Web? Im wettbewerbsintensiven Markt der Frauentitel auch im Internet seien der Einführung von Paid Content engere Grenzen gesetzt, so Breid. Mehr verspricht er sich von Paid Services und sieht hier neben bestehenden Abo-Modellen (etwa beim G+J-Diätcoach XX-Well) auch zukünftig noch Potenziale mittels Pay-per-Use, etwa bei Tools für Bekleidungsberatung.

Matthias Büchs, Geschäftsleiter bei RTL Interactive, hat da ganz andere Probleme: Zum einen sind seine User - anders als die Leser der Verlage - schon in der analogen TV-Welt kein Bezahlen gewohnt. Und wenn man dann mal eine Paid-Applikation etabliert hat, werden die Öffentlich-Rechtlichen aufmerksam und bieten Ähnliches gratis (weil gebührenfinanziert) an: „Dann ist unser Geschäftsmodell tot." Büchs schildert einen solchen Fall - und wendet sich dann wieder den Verlagen zu, mit einer guten Frage: „Müssten Sie nicht erst Ihre Gratis-Websites entschlacken, damit Sie dort nicht die Inhalte kostenlos anbieten, die Sie über Apps verkaufen wollen?"

Widerspruch von Georg Konjovic, Director Premium Content bei Axel Springer. Doch er hat gar nichts gegen diesen Gedanken, vielmehr stört ihn die Rhetorik: „,Sites entschlacken‘, das hat einen negativen Beigeschmack. Wir dürfen den Usern gegenüber nicht den Eindruck erwecken, als hätten wir in der Vergangenheit Fehler gemacht - sondern wir müssen die Bepreisung unserer Inhalte über den gebotenen Mehrwert positiv kommunizieren." Sogar beim Reichweitenportal Bild.de denke man intensiv über weitere Bezahlinhalte nach; dies hatte Chefredakteur Manfred Hart bereits Anfang März gegenüber HORIZONT angekündigt.

Als größte Hürde für Paid Content im Web nennt Konjovic das Fehlen von Bezahlsystemen, die für die User bequem und für die Verlage transaktionskostengünstig sind, sowie die verwirrende Vielfalt von E-Kiosken für pdf-Ausgaben (hier rechnet Konjovic in den kommenden Jahren allerdings mit einer starken Shop-Konsolidierung). Beides, Bezahlsystem und Kiosk, habe bisher nur Apple (iTunes) erfolgreich gelöst.

Ach ja, Apple: Einmal mehr ärgern sich die Verlage über dessen iTunes-Regeln beim Pricing, für Inhalte und bei den Kundendaten - auch wenn Apple hier derzeit den Verlagen etwas entgegenzukommen scheint. Alles eine Frage der Alternativen für die Verlage und ihrer Einigkeit, also ihrer Verhandlungsposition. „Damit die Verlage nicht zum reinen Content-Lieferanten für Apple werden, sollten sie sich besser unterhaken, anstatt dass jeder seinen eigenen Deal sucht", appelliert G+J-Mann Breid. Und wundert sich ein bisschen über sich selbst: „Wir werben für unsere Apps - und somit auch dafür, dass das iPad groß wird. Ob das so klug ist, weiß ich nicht, aber wir machen es trotzdem." rp
Meist gelesen
stats