Aus für das Geschäft mit dem Weiterverkauf von Internet-Adressen

Donnerstag, 02. Juli 1998

Das Frankfurter Landgericht hat die Klage eines Computer-Fachmanns zurückgewiesen, der für 45.000Mark eine lange Liste sogenannter Internet-Domains bekannter Unternehmens-, Marken- und Personennamen eingekauft hatte, um sie für teures Geld an die betroffenen Firmen weiterzugeben. Als er von den Firmen mit Prozessen überzogen wurde, wollte er sein investiertes Geld vom Verkäufer der Liste zurück, da es sich um ein offensichtlich rechtswidriges Geschäft gehandelt habe - zu Unrecht, urteilte das Gericht in seiner Entscheidung (Az.: 2/14 O 412/97). Der Mann hatte unter anderem die Adressen Sharp.de und Epson.de erworben. Dem Argument der Rechtswidrigkeit stimmten die Richter zwar grundsätzlich zu, ließen den Kläger aber dennoch abblitzen. Der Verkäufer der Namensrechte hatte ausdrücklich auf die möglichen Konflikte im Namenschutz hingewiesen und auf den Käufer übertragen. Nach Meinung der Frankfurter Richter hat er damit auch das Risiko einer eventuellen Sittenwidrigkeit übernommen. Ob er sich einer Erpressung schuldig gemacht hat, wurde im Zivilprozeß nicht überprüft. Nach Auskunft der Clearing-Stelle der deutschen Internet-Provider Denic eG in Frankfurt funktioniert das Domain-Grabbing in Deutschland schon seit längerem nicht mehr. "In den Anfängen bis 1996 haben noch einige eine schnelle Mark gemacht", so Denic-Vorstand André Scholz. Mittlerweile hätten die Gerichte derartige Geschäfte in einer bundesweit einheitlichen Rechtsprechung gänzlich unterbunden.
Infolinks:
Denic eG, Online-Recht
Meist gelesen
stats