Auf der Suche nach dem Plus: Das Bezahlangebot von Bild.de im HORIZONT-Check

Dienstag, 11. Juni 2013
Die Startseite von Bild.de am Dienstagmorgen
Die Startseite von Bild.de am Dienstagmorgen

Da ist sie nun also, die Zukunft. In ihr bekommt der Besucher von Bild.de auf die Frage „Mit welchem Sternzeichen knistert's in der Kiste?" nicht mehr so leicht eine Antwort wie früher. Will er wissen, wie es in seinen Sternen um die Liebe steht, muss er eines der drei verschiedenen „Bild plus"-Markenabos abschließen, die das Herzstück des seit heute geltenden Bezahlmodells auf Bild.de darstellen. HORIZONT.NET macht sich auf die Suche nach dem Plus. Auch wenn die Sache mit dem Liebes-Horoskop einschneidend ist, nicht alle Artikel kosten. Im Rahmen des Freemium-Modells, das der Berliner Verlag für die Website seines Flaggschiffs gewählt hat, bleiben die reinen Nachrichten weiter frei zugänglich. Ob der ehemalige Bayern-Star Breno also möglicherweise einen Job im Bayern-Fan-Shop bekommt, kann demnach recht einfach herausgefunden werden. Ebenso wie die aktuellen Ereignisse in der Türkei, samt Live-Stream auf den Taksim-Platz. Den schnellen Überblick über die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Stunde bekommt der Nutzer also, entsprechend des umgesetzten Modells, weiterhin kostenfrei - und Springer bekommt die Klicks, Werbekunden die Reichweite.

Kurz und schmerzlos: Diese Meldung leitet den Leser in den kostenpflichtigen Bereich
Kurz und schmerzlos: Diese Meldung leitet den Leser in den kostenpflichtigen Bereich
Dennoch muss man den kostenpflichtigen Bereich auf Bild.de nicht erst suchen, wie es etwa auf Welt Online der Fall ist. In allen Sparten der Website - von Politik über Unterhaltung, Sport und Ratgeber bis hin zu Lifestyle & Reise - finden sich Artikel mit dem Plus in der Ecke. „Die Tabelle der Schande" über die steigende Gefahr der Altersarmut ist einer davon. Nach Titel, Bild und Teaser verblasst allmählich der Text, weitergelesen wird bei „Bild plus", heißt es da: „Wenn Sie diesen Artikel und viele weitere Bild plus-Inhalte nutzen möchten, dann registrieren Sie sich jetzt für Bild plus." Im ersten Monat kostet das übrigens nur 99 Cent, später mindestens 4,99 Euro.

Nach der Auswahl - der Leser kann sich zwischen drei verschiedenen Abomodellen entscheiden - und detaillierten Informationen über das neue Angebot, wird es ernst. Die Eingabe von Name, E-Mail-Adresse und selbst gewähltem Passwort geht schnell, nach wenigen Sekunden ist schon die Mail von Springer zur Registrierungsbestätigung im Postfach. Dank des Anmeldedienstes Mypass gelten die einmal gewählten Zugangsdaten übrigens auch auf Welt Online, beim Fußballspiel „Bild Super Manager" oder bei „Bild Movies". Ebenso fix der Bezahlvorgang, der Nutzer muss sich lediglich zwischen Lastschrift, Kreditkarte oder Paypal entscheiden. Noch ein Klick - und da ist er, der Hintergrundtext zur Jahresstatistik der Rentenversicherung und die Analyse darüber, wie groß die Rentengefahr wirklich ist.

Kate (links) gibt es kostenfrei, Ozzy nicht
Kate (links) gibt es kostenfrei, Ozzy nicht
Genau wie auf der Homepage der „Welt", wo der Leser seit Ende vergangenen Jahres im sogenannten Metered Modell nach 20 freien Artikeln zur Kasse gebeten wird, ist der Anmelde- und Bezahlvorgang denkbar einfach und unkompliziert. Anders als dort kann der kostenpflichtige Bereich allerdings nicht so leicht umgangen werden: Selbst wenn man über Google auf die jeweilige Seite des Artikels geleitet wird, stößt man an die mit einem Plus markierte Grenze. Nur, Informationen zum dreifachen Gehalt des abwanderungswilligen BVB-Fußballers Robert Lewandowski gibt es mittlerweile auch auf anderen Internetportalen, und ob das Interview mit dem immer älter werdenden Rocker Ozzy Osbourne tatsächlich einen so großen Anreiz für ein monatliches Abo darstellt? Hole ich mir die besten Tipps für einen zweitägigen Aufenthalt in Dublin wirklich im kostenpflichtigen Bereich von Bild.de?

An der Auswahl der Texte wird die Redaktion künftig sicher noch feilen müssen. Dabei ist ein Blick auf die Top 5 an Tag 1 von „Bild plus" sicher nicht unbedingt ein guter Ratgeber: Auf den ersten drei Plätzen rangieren zwar immerhin nur die kostenpflichtigen Beiträge, Lewandowski, Lanz, das Liebes-Horoskop. Der Live-Ticker zur Flutwelle und der Artikel über die neuen Apple-Produkte - beide kostenfrei - liegen abgeschlagen dahinter. Ob aus den ersten Neugierigen bald auch regelmäßige zahlende Abonnenten werden, wird sich schnell zeigen. kl
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