Auf 180: Ex-"FTD"-Chefredakteur Andrew Gowers beschimpft das "Handelsblatt"

Montag, 10. Dezember 2012
Diese Montage stellte die "FTD" auf ihre Facebook-Seite (Bild: facebook.com/ftd.de)
Diese Montage stellte die "FTD" auf ihre Facebook-Seite (Bild: facebook.com/ftd.de)

Ende vergangener Woche kündigte "Handelsblatt"-Chefredakteur Gabor Steingart im  Interview mit dem Deutschlandfunk an, Leser der eingestellten "Financial Times Deutschland" zu seiner Zeitung locken zu wollen. Steingarts Strategie, erneut geäußert in einem Sondereditorial der heutigen "Handelsblatt"-Ausgabe: Ehemalige "FTD"-Kommentatoren wie Gründungschefredakteur Andrew Gowers und Springer-Lobbyist Christoph Keese sollen künftig für das "Handelsblatt" schreiben. In der Tat ist Gowers heute mit einem Gastkommentar im "Handelsblatt" vertreten. Einer regelmäßigen Kommentatoren-Tätigkeit erteilt er jedoch - vorsichtig ausgedrückt - eine Absage. Die Kollegen der "FTD" walzen dies genüsslich aus. "Wir haben bei den Betreffenden mal nachgefragt: Christoph Keese, heute Cheflobbyist von Axel Springer, weiß von seinem Glück noch gar nichts. Und FTD-Gründungschefredakteur Andrew Gowers hat auch nicht wirklich vor, im "Handelsblatt" fortan als regelmäßiger Autor aufzutreten", heißt es auf der nach wie vor existenten Facebook-Seite der "FTD". Doch damit nicht genug: Das Social-Media-Team der eingestellten Wirtschaftszeitung hat auch die Wortmeldung von Gowers veröffentlicht. Der Beitrag auf der "FTD"-Fanpage liest sich folgendermaßen: "I am writing one piece for HB about a subject I feel strongly about – Britain and Europe – as commissioned by Torsten Riecke (Anmerkung der Ex-Redaktion: Torsten Riecke ist Kommentarchef des Handelsblatt). I just sent Steingart a note complaining about his tasteless, poorly-judged and misleading remarks and saying I will never write a column for his shit, declining newspaper! You can tell that to the colleagues too."

Starker Tobak: Das "Handelsblatt" als beschissene, absteigende Zeitung. Dass das Statement im Wortlaut auf Facebook eingestellt wurde, kommt bei einigen Facebook-Fans der "FTD" allerdings gar nicht gut an. "Schade, dass ihr auf den letzten Metern so abrutscht...", schreibt etwa eine Userin, weitere Nutzer äußern sich ähnlich. Die Zeitung antwortet: "Im Grunde geht es lediglich um unsere alte Leidenschaft, wenn auch jetzt in eigener Sache: Bevor sich eine Fehlmeldung in der Welt festsetzt, melden wir uns lieber zu Wort. So haben wir es schließlich immer gehalten."

Über den Streit berichtet die "FTD" unterdessen sogar auf ihrer Internetseite, die trotz der Einstellung der Zeitung nach wie vor punktuell mit Inhalten gefüttert wird. Dort wird aus einer Mail Gowers' an einen "FTD"-Redakteur zitiert. Er habe nie zugestimmt, regelmäßig für das "Handelsblatt" zu schreiben und werde dies wohl auch nie tun, denn, so heißt es in dem Zitat, "wie Sie wissen halte ich das HB für eine zutiefst minderwertige Zeitung." ire
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