Audio-Bundesligarechte: 90elf unterliegt Sport 1

Dienstag, 19. März 2013
Die Zukunft von 90elf ist mit der Entscheidung der DFL unsicher
Die Zukunft von 90elf ist mit der Entscheidung der DFL unsicher


Die Deutsche Fußball Liga DFL hat heute bekannt gegeben, wer in den kommenden vier Spielzeiten im Hörfunk live über die Fußball-Bundesliga berichten darf: Während im klassischen Radio weiterhin die ARD am Ball bleibt, gab es bei den Web- und Mobile-Rechten eine faustdicke Überraschung: Der bisherige Rechteinhaber Regiocast, der mit dem Fußballsender 90elf in den vergangenen Jahren ein vielbeachtetes Angebot entwickelt hat, ging leer aus. Das Rechtepaket Audio Netcast ging stattdessen an Sport 1. Sport 1 hat für die Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17 den Zuschlag für die digitalen Audio-Verwertungsrechte an der Fußball-Bundesliga bekommen. Ab der kommenden Saison kann das Unternehmen damit im stationären und mobilen Internet live über sämtliche Spiele der Bundesliga und der 2. Liga berichten.  "Ab der neuen Saison erreichen wir unsere Zuschauer und User auch über Radio – neben Free- und Pay-TV, Online und Mobile", freut sich Olaf Schröder, Chefredakteur und Programmchef von Sport 1: "Mit unserer renommierten redaktionellen und digitalen Kompetenz bieten wir das Premium-Produkt Bundesliga den Fußballfans auf allen medialen Verbreitungswegen."

Der bisherige Rechteinhaber 90elf geht dagegen leer aus: "Wir sind natürlich unendlich enttäuscht über diese Entscheidung!", erklärt Florian Fritsche, Geschäftsführer des 90elf-Betreibers Regiocast Digital, in einer ersten Reaktion. "Wir haben in den zurückliegenden Wochen gekämpft wie die Löwen, haben eine überzeugende Bewerbung abgegeben und sind bei unserem Gebot an die Grenzen des wirtschaftlich Machbaren gegangen. Wir können mit erhobenem Haupt vom Platz gehen auch wenn wir dieses 'Spiel' verloren haben", so Fritsche.

Regiocast hatte in den vergangenen fünf Jahren mit 90elf im Internet live von allen Spielen der 1. und 2. Bundesliga berichtet. Mit 1,7 Millionen Hören pro Spieltag erzielte der Sender in der Saison 2011/2012 rund 61 Millionen Hörkontakte. "Wir haben ein tolles Produkt entwickelt, das mehrfach ausgezeichnet wurde und bis heute wirtschaftlich auf gesunden Beinen stand. Auf dieser Grundlage und unserer inzwischen umfangreichen Erfahrung haben wir ein echtes Geschäftsmodell entwickelt. Wir wissen sehr genau, welche Summen refinanzierbar sind und ab wann es nur noch strategische Gebote sind", kann sich Fritsche einen Seitenhieb in Richtung Sport 1 nicht verkneifen. "Aber wie im Fußball üblich, akzeptieren wir die Entscheidung als faire Verlierer. Wir haben uns nichts vorzuwerfen."

Wie es nun mit 90elf weitergeht, ist noch nicht klar. Regiocast verfügt zwar noch über die Rechte am DFB-Pokal sowie der Spiele der Champions- und der Europa League, die Bundesliga dürfte aber das stärkste Zugpferd des Senders sein. Bis zum Ende der laufenden Saison will sich Regiocast nun Gedanken über die Zukunft des Senders machen.

In klassischen Hörfunk bleibt dagegen alles beim Alten: Die Radiosender der ARD berichten auch ab der kommenden Saison live über die Bundesliga. "Kaum ein Medium vermag es, Fußball so packend und so emotional zu vermitteln wie das Radio. Die DFL hat das offenbar auch so gesehen. Gut, dass wir im Interesse unseres großen Publikums die bewährte Zusammenarbeit mit der Liga fortsetzen können", freut sich WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz. Die Radiosender der ARD berichten bereits seit der Gründung der Bundesliga 1963 aus den Stadien. dh
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