Auch BLM sieht Zukauf weiterer Bundesligarechte durch die Telekom kritisch

Freitag, 30. März 2012
BLM-Chef Siegfried Schneider
BLM-Chef Siegfried Schneider

Die Bemühungen der Deutschen Telekom um die Rechte an der Fußball-Bundesliga werden von den Medienaufsichtsbehörden weiterhin kritisch beäugt. Dabei geht es insbesondere um die Beteiligung des Bundes an dem Telekommunikationsriesen. Bei einer möglichen Ausweitung der Rechte der Telekom sieht die BLM daher Handlungsbedarf. "Bedeutsam daran ist aus rundfunkrechtlicher Sicht, dass der Bund knapp 32 Prozent der Anteile an der Telekom hält und regelmäßig über eine Mehrheit in der Hauptversammlung verfügt, im Grundgesetz aber die Staatsferne des Rundfunks vorgeschrieben ist", schreibt BLM-Präsident Siegfried Schneider in einer Stellungnahme.

Die BLM hat in der vergangenen Woche daher einen Fragenkatalog an Constantin Sport Medien geschickt, in dem es um die redaktionelle Unabhängigkeit des Bundesligasenders Liga Total geht. Constantin produziert Liga Total im Auftrag der Telekom. Die Verträge wurden 2009 von den Landesmedienanstalten geprüft und für die Dauer von acht Jahren genehmigt.

"Die Frage des Einflusses der Telekom auf die Constantin Sport Medien muss allerdings neu gestellt werden, wenn die Telekom neben den IPTV- und den Mobile-Rechten weitere Rechte an der Fußball-Bundesliga für die Kabel- und Satellitenausstrahlung erwirbt", mahnt Schneider. Bei einer Ausweitung der Rechte könne der bestehende Vertrag wohl nicht einfach verlängert werden.

Damit wird der Gegenwind für dir Telekom immer schärfer. Anfang der Woche hatte auch der Direktor der Landesmedienanstalt des Saarlandes Gerd Bauer kritisch zu einem weiteren Rechtekauf der Telekom geäußert. "Das Angebot der Deutschen Telekom zum Kauf der Fußballrechte von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) berührt wesentliche Grundfragen des Rundfunks in Deutschland", so Bauer in einer Stellungnahme. Aber auch Medienexperten wie Bernd Holznagel von der Universität Münster und Franz-Jürgen Säcker von der FU Berlin haben sich bereits in ähnlicher Weise geäußert. Der Medienrechtler Dieter Dörr von der Universität Mainz hat der Telekom sogar eine mangelnde Rundfunkfähigkeit attestiert.

Die Telekom gibt sich nach außen bislang gelassen: "Manche Gutachter erwecken den Eindruck, als wollten wir einen Nachrichtensender aufmachen", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen Telekom-Sprecher. "Dabei wollen wir doch nur Fußball einspeisen." Sollte die Telekom aber tatsächlich den Zuschlag für weitere  Übertragungsrechte bekommen, müssten wohl noch einige rechtliche Hürden aus dem Weg geräumt werden. dh
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