Atempause: KKR und Permira würden bei Pro Sieben Sat 1 nachschießen

Montag, 18. Januar 2010
Konzernchef Ebeling kann doch noch auf Geld hoffen
Konzernchef Ebeling kann doch noch auf Geld hoffen

Sollte der hoch verschuldete TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 mit seinen Kreditverpflichtungen in die Bredouille geraten, wollen die Eigentümer KKR und Permira wohl doch noch einmal Geld nachschießen. Laut "Spiegel" verhandeln das Unterföhringer Unternehmen und die beiden Finanzinvestoren derzeit darüber, dass Pro Sieben Sat 1 bei Bedarf ein Gesellschafterdarlehen von 120 bis 140 Millionen Euro abrufen kann. Der Vertrag soll in den kommenden Wochen ausgehandelt werden. Die Zusage von KKR und Permira könnte für den Konzern überlebenswichtig sei, der zum 30. September 2009 mit satten 3,543 Milliarden Euro in der Kreide stand. Zwar sind die beiden Darlehen in Höhe von je 1,8 Milliarden Euro erst im Juli 2014 beziehungsweise Juli 2015 fällig. Verletzt Pro Sieben Sat 1 bestimmte Finanzkennzahlen ("Convenants") können die Banken die Kredite jedoch sofort fällig stellen. Dazu gehört, dass Pro Sieben Sat 1 ein ein bestimmtes - nicht öffentlich bekanntes - Verhältnis der konsoldierten Nettofinanzverschuldung zu konsolidiertem Ebitda einhalten muss, sowie des konsolidierten Ebitda zum Zinsergebnis.

Die Einhaltung dieser Kennzahlen wird quartalsweise jeweils für den zurückliegenden Zeitraum von zwölf Monaten überprüft. Kann der Konzern jedoch frisches Eigenkapital akquirieren oder eigenkapitalähnliche Mittel in Form nachrangiger Darlehen, könnte er eine eventuell eingetretene Verletzung der Convenants laut Geschäftsbericht wieder "heilen". Insofern ist eine Zusage von KKR und Permira entscheidend, wenn es im Werbemarkt weiter bergab gehen sollte.

Schon im vergangenen Jahr soll Pro Sieben Sat 1 mehrfach gefährlich nah an die Grenzen geraten sein. Das könnte auch der Hintergrund für die zum Teil extrem aggressive Rabattpolitik gewesen sein, mit der der Vermarkter Seven-One Media im vergangenen Jahr agiert hat. Umsatz - und damit auch Ertrag - um jeden Preis, so schien die Maxime zu lauten. Mit den übersteigerten Rabatten soll laut Konzernchef Thomas Ebeling nun zwar Schluss sein. Angesichts des finanziellen Drucks lautet die Frage aber durchaus, ob Pro Sieben Sat 1 nicht erneut versuchen könnte, den Ertrag durch Masse im Umsatz zu sichern, sobald es eng wird - auch wenn die Preise im Markt damit weiter ins Minus rutschen würden.

Vergangenes Jahr hatten mehrere Agenturen - allen voran die Group M, überproportional viel des Budgets vom RTL-Vermarkter IP in Köln in Richtung Unterföhring verschoben. Mit dem neuen "Universe-Rabatt"  belohnt IP dieses Jahr nun konkret Kunden, die ihre Budgets von Seven-One abziehen. In welchem Umfang dies passiert, ist noch unklar. Nur wenige Prozentpunkte Marktanteilsverlust - verbunden mit Umsatz- und Ertragsminus - könnten Pro Sieben Sat 1 jedoch wohl schon in eine Schieflage bringen. Damit ist Pro Sieben Sat 1 darauf angewiesen, dass wenigstens der Markt insgesamt nicht erneut einbricht, wenn die zu erwartende Verschiebung Richtung Köln einsetzt. Die Zusage von KKR und Permira dürfte es Ebeling jedoch leichter machen, entsprechend seinen Ankündigungen hart zu bleiben und die Brutto-Netto-Schere nicht weiter zu öffen.

Wie angespannt die Lage derzeit bei Pro Sieben Sat 1 ist, zeigt auch der Aktionismus der vergangenen Woche: Ebeling sucht nun aktiv nach einem Käufer für N24 - obwohl die Gruppe aus Investorensicht in der Vergangenheit als nicht trennbar galt, weil sie so hoch integriert ist und die Summe aller Teile einen höheren Wert erbrachte, als eine Zerschlagung.  

Auch beim nach Umsatz wichtigsten Sender Sat 1 geht es stürmisch zu. Nach gerade mal einem Jahr musste Senderchef Guido Bolten seinen Hut nehmen. Das Zepter hält nun Andreas Bartl selbst in der Hand, der Vorstand der German Free-TV, in der die Sender zusammgeführt sind. Denn auch hier dürfte gelten, dass Umsatzsteigerungen vor allem via Quotenanstieg zu realisieren sind. Letzere stagnierten jedoch 2009 trotz teurer Einkäufe wie von Oliver Pocher und Johannes B. Kerner bei rund 10,8 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.

Mit weiteren Investitionen dürfte es 2010 schwierig werden. Vergangenes Jahr hat der Konzern rund 200 Millionen Euro gespart. Davon dürfte ein nicht unwesentlicher Teil auf den größten Kostenblock - das Programm entfallen sein, in das Pro Sieben Sat 1 allein in Deutschland 2008 noch rund eine Milliarde Euro investiert hat.  pap
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