Apple und die Verlage: VDZ und BDZV fürchten massive Behinderung des App-Geschäfts

Mittwoch, 16. Februar 2011
Die Marke Apple hat an Strahlkraft gewonnen - und nutzt das gnadenlos aus
Die Marke Apple hat an Strahlkraft gewonnen - und nutzt das gnadenlos aus
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Apple Verlag Abomodell Medienhaus Kundendaten iPad iPhone


Apple scheint im Streit mit den Verlagen um Abomodelle und Kundendaten nun allmählich doch einzulenken - wenigstens zum Teil. Der kalifornische Computerkonzern hat heute einen neuen Service vorgestellt, der zumindest auf den ersten Blick viele Forderungen der Medienhäuser erfüllt. Doch der Teufel steckt im Detail. Die wichtigste Neuerung: Verlage können künftig Abonnements ihrer Zeitschriften- und Magazin-Anwendungen erstmals auch über den App-Store von Apple anbieten. Das Angebot basiert auf dem Abrechnungssystem für digitale Abonnements, das Apple kürzlich bei der Vorstellung von Rupert Murdochs iPad-Zeitung "The Daily" präsentiert hat.

"Innovative Abo-Lösung": Apple-Boss Steve Jobs
"Innovative Abo-Lösung": Apple-Boss Steve Jobs
Laut Apple können Verlage den Preis für das Abo selbst bestimmen und bestehenden Abonnenten einen freien Zugang gewähren. Auch die Laufzeit des Abonnements können die Verlage frei wählen. Den Nutzern inhalte-basierter Apps wird je nach Art des Abos - also beispielsweise einer wöchentlichen, monatlichen, vierteljährlichen oder halbjährlichen Dauer - der von den Verlagen festgelegte Preis automatisch von Apple in Rechnung gestellt. Der Wermutstropfen: Apple übernimmt nicht nur alle Zahlungsvorgänge, sondern behält wie bereits heute bei In-App-Käufen 30 Prozent des Umsatzes ein.

Anders sieht es aus, wenn Verlage ihre Apps in Eigenregie vertreiben. Sobald ein Medienhaus eine iPhone- oder iPad-App beispielsweise über seine eigene Website verkauft, dann bleibt der gesamte Umsatz beim Verlag. Für diese Abonnenten müssen Verlage ihren eigenen Authentifizierungsprozess innerhalb der App bereitstellen.

Steve Jobs: Wir sind der Meinung, dass diese innovative Abonnements-Lösung Verlegern eine ganz neue Möglichkeit bietet, ihre digitalen Inhalte auf iPad, iPod touch und iPhone zu erweitern .“
Der Haken an der Sache: Apple fordert von Verlagen, die digitale Abonnements außerhalb der App verkaufen, dass dieses Angebot auch jenen Kunden zur Verfügung gestellt werden muss, die das Abo innerhalb der App abschließen wollen - und zwar zum gleichen oder niedrigeren Preis. Für die Verlage ist das alles andere als attraktiv: Denn Apple verbaut den Medienhäusern damit die Chance, Lesern über Preisnachlässe den Kauf einer App im eigenen Abo-Shop schmackhaft zu machen - und erhöht gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, den 30-prozentigen Umsatzanteil einzustreichen. Darüber hinaus dürfen Verlage künftig in ihren Apps nicht mehr auf externe Webseiten verlinken, auf denen Abos angeboten werden. Mit diesem technischen Kniff hatten verschiedene Anbieter versucht, den über Abos erzielten Umsatz an Apple vorbeizuschleusen.

Bewegung gibt es auch bei den für die Verlage so wichtigen Kundendaten: Apple will Nutzern des App-Stores künftig ermöglichen, dem Verlag ihren Namen, ihre E-Mail Adresse und ihre Postleitzahl bei der Anmeldung zu übermitteln. Der Umgang mit diesen Informationen wird dabei durch die Datenschutzrichtlinien der Verlage reguliert, nicht durch die Bestimmungen von Apple. Die Verlage sollen zudem die Möglichkeit erhalten, zusätzliche Daten der App-Store-Kunden abzufragen. Als Voraussetzung fordert Apple von den Medienhäusern, dass den Kunden eine offensichtliche Wahl gelassen wird und sie darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass der Umgang mit allen zusätzlich bereitgestellten Informationen unter die Datenschutzrichtlinien der Verlage und nicht unter die Bestimmungen von Apple fällt.

Will Angebot prüfen: VDZ-Manager Alexander v. Reibnitz
Will Angebot prüfen: VDZ-Manager Alexander v. Reibnitz
"Unsere Philosophie ist einfach – wenn Apple einen neuen Abonnenten für die App gewinnt, erhält Apple einen 30-prozentigen Anteil; wenn der Verleger einen bestehenden oder neuen Abonnenten für die App gewinnt, behält der Verleger 100 Prozent und Apple verdient nichts," sagt Apple-Boss Steve Jobs. Das Einzige, was Apple fordere, sei, dass Verleger, die ein Abonnement-Angebot außerhalb der App offerieren, dieses - oder ein besseres - auch innerhalb der App anbieten. "Wir sind der Meinung, dass diese innovative Abonnements-Lösung Verlegern eine ganz neue Möglichkeit bietet, ihre digitalen Inhalte auf iPad, iPod touch und iPhone zu erweitern und sowohl bestehende als auch neue Abonnenten begeistern wird."

Ob die Verlage mit dem Angebot von Apple leben können, darf angesichts der zahlreichen Einschränkungen angezweifelt werden. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) reagierte am Mittwochnachmittag in einer ersten Stellungnahme eher reserviert auf die Initiative von Apple. Nach Einschätzung des VDZ bringt die Regelung für Verlage und Leser digitaler Zeitungs- und Zeitschriftenangebote "erhebliche Einschränkungen" mit sich. So würden die Wahlfreiheit der Kunden und das App-Geschäft der Verlage deutlich beeinträchtigt. Vor allem das neue Verbot, aus  Apps heraus direkt zu den Verlagssites zu verlinken, ist dem VDZ ein Dorn im Auge. Dies sei nichts anderes als eine  "Behinderung des heute bei einigen Verlagen schon sehr erfolgreich angelaufenen App-Geschäfts".

Das sieht auch der Bundesverband Deutscher Zeitschriftenverleger (BDZV) nicht anders. Gemeinsam mit dem VDZ gemeinsam fordert der Verband von Apple nun eine "volle Wahlfreiheit und Gleichberechtigung", die "freie Entscheidung der Verleger über die Ausgestaltung der Angebote auch innerhalb von Apps" sowie die "Unterbreitung von Angeboten in den von Verlagen programmierten Apps, die der Verlag direkt an die Kunden richtet". Zuvor hatte sich schon der erste Politiker berufen gefühlt, den Verlagen im Zwist mit Apple beizuspringen. mas
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