App-Geschäft: Apple rudert zurück / Verlage dürfen Abo-Preise frei bestimmen

Freitag, 10. Juni 2011
Apple-Chef Steve Jobs lässt die Leine locker
Apple-Chef Steve Jobs lässt die Leine locker

Der monatelange Protest der Verlagshäuser gegen Apple hat sich ausgezahlt. Sie dürfen den Preis von Zeitungs- und Zeitschriften-Abos für iPad- und iPhone-Anwendungen nun doch frei wählen. Den entsprechenden Eintrag hat der Konzern aus seinen Geschäftsbedingungen, die Ende Juni in Kraft treten, gestrichen. Damit zwingt Apple Verlage und App-Entwickler nicht mehr, Angebote innerhalb der App zum selben oder günstigeren Preis wie außerhalb der App anzubieten. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) begrüßen diese Ankündigung als "substantielle Verbesserung". Rechenbeispiel: Angenommen, ein Verleger verkauft seine Magazin-App für 6 Euro über iTunes. Bislang gingen 30 Prozent, also 2 Euro, an Steve Jobs. Künftig sind Medien in der Preisgestaltung frei. Heisst: Sie können theoretisch die Apple-Zwangsabgabe auf den Magazinpreis draufschlagen und die App für 8 statt 6 Euro verkaufen. "Die Aufhebung der Preisvorgaben gibt den Verlagen die notwendigen Spielräume für Bündelungs- und Promotionsangebote", so die beiden Verbände in ihrer Stellungnahme.

Zudem wird der In-App-Kaufzwang entfallen. Die Medienhäuser können nun Abo-Angebote auch außerhalb der App-Abos anbieten und verkaufen, ohne das parallel auch bei iTunes zu tun. Ein Wermutstropfen bleibt: Verlage dürfen auch weiterhin innerhalb der App nicht auf ein eigenes Abrechnungssystem zurückgreifen oder für Abos auf eigene Websites verlinken. Auch die 30-Prozent-Provision an Apple bleibt.

Weiterhin Diskussionsbedarf sehen BDZV und VDZ insbesondere in Punkto Kundenbeziehung. Dieses Thema beansprucht Apple nach wie vor für sich. "Auch wenn dieser Punkt noch nicht zufriedenstellend gelöst ist, hat sich Apple jetzt deutlich auf die Verlage zubewegt und die Argumente der Verleger wirken lassen", heißt es in der Pressemitteilung.

Unterdessen sträubt sich die britische "Financial Times" (FT) hartnäckig gegen Apples Geschäftspolitik. Die FT bietet seit einigen Tagen auf ihrer Internetseite eine Web-Anwendung für Smartphones und Tablets an, die auf HTML5 basiert. Diese kann ganz einfach über den Browser genutzt werden, das Herunterladen über den iTunes-Store wird überflüssig. Damit umgeht das Blatt die Bestimmungen, 30 Prozent der Einnahmen aus ihren digitalen Abos an Apple abzutreten. "Wir sind nicht auf ein Kooperationsabkommen mit Apple angewiesen, um unsere digitale Vertriebsstrategie erfolgreich umsetzen zu können", so Rob Grimshaw, Managing Director bei FT, gegenüber dem Guardian. Die Briten nehmen damit einen möglichen Rauswurf der FT-App aus iTunes in Kauf, denn die bietet die Zeitung weiterhin an. jm
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