Anzeigenstatistik: Verlage erzielen 2010 nur kleines Plus

Dienstag, 04. Januar 2011
Das Wohnmagazin ist der größte Gewinner in der Anzeigenstatistik
Das Wohnmagazin ist der größte Gewinner in der Anzeigenstatistik

Nur für einen schmalen Zuwachs von 1,61 Prozent hat es bei den Anzeigenseiten der Zeitschriften im Jahr 2010 gereicht. Mit 168216,6 Seiten sind die Verlage nach wie vor weit vom Niveau des Vorkrisenjahres 2008 entfernt. 2009 waren die in der Zentralen Anzeigenstatistik des Zeitschriftenverlegerverbandes VDZ erfassten Seiten um satte 16,25 Prozent auf 165.548,4 Seiten zurückgegangen. Die Seitenumfänge korrespondieren mit der Entwicklung der Brutto-Werbeerlöse. Während Fernsehen und Internet als die starken Gewinner aus dem Jahr 2010 hervorgehen, profitieren die Zeitschriften nur wenig von dem Konjunkturaufschwung. Sie haben weiterhin mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Nielsen weist für die Zeitschriften von Januar bis November  - die kompletten Zahlen für 2010 liegen noch nicht vor - brutto nur 5,4 Prozent mehr aus. Bei den Nettowerberelösen dürfte so mancher Verlag die Talsohle noch nicht durchschritten haben.

Bei den drei großen Nachrichtenmagazinen klafft das Feld immer weiter auseinander. "Spiegel" und Gruner + Jahrs "Stern" erholen sich deutlich mit 7,91 Prozent beziehungsweise 8,78 Prozent mehr Anzeigenseiten. Burdas "Focus" dagegen stagniert. Die Änderungen, die Chefredakteur Wolfram Weimer eingeführt hat, schlagen sich bislang nicht in den Auflagen nieder. Nur noch 556.972 Exemplare hat der Titel im 3. Quartal am Kiosk verkauft. Zum Vergleich: Beim "Spiegel" waren es mit knapp über einer Million Stück fast doppelt soviele. Entsprechend mau sieht es auch bei den Anzeigenseiten des "Focus" aus.

Während die meisten Segmente geringe einstellige Zuwächse beziehungsweise Verluste ausweisen, verändern sich die Anzeigenseiten bei Kinderzeitschriften, Wohn- und Gartenzeitschriften und IT-/Telekommunikationszeitschriften deutlich. Die IT- und Telekommunikationstitel müssen die stärksten Verluste hinnehmen. Das Segment verliert knapp ein Fünftel seiner Anzeigenseiten. Das ist hart, denn schon im Vorjahr haben "Chip" & Co über ein Drittel der Anzeigen verloren. Angesichts der besonders computer- und internetaffinen Lesercommunity dürften die Verlage hier nicht nur im Lesermarkt mit starken Abwanderungseffekten ins Internet zu tun haben.

Im Aufschwung dagegen sind unverändert die Wohn- und Gartenzeitschriften. Sie profitieren von dem Boom, den "Landlust" ausgelöst hat. Der Titel aus dem Landwirtschaftsverlag in Münster, dessen Hauptgeschäftsführer Karl-Heinz Bonny HORIZONT-Mann des Jahres 2010 ist, hat binnen vier Jahren diverse Nachhahmer gefunden, die nun auch im Anzeigenmarkt reüssieren. Auch etablierte Titel wie "Schöner Wohnen" und "Living at home" legen zu - allerdings verdanken diese ihren Zuwachs vor allem den Jubiläumsheften, mit denen sie 2010 am Kiosk lagen. Insgesamt kommt das Segment auf knapp 8000 Anzeigenseiten - 13,84 Prozent als im Jahr zuvor.

Die Kinderzeitschriften haben insgesamt nur 2404 Anzeigenseiten verkauft. Allerdings legten die Titel damit um satte 36,41 Prozent zu. Grund für das starke Plus sind auch die vielen Neugründungen, mit denen die Verlage in schneller Taktzahl auf den Markt gehen.

Mau sieht es dagegen bei den großen Segmenten aus. Die Programmzeitschriften verlieren 0,37 Prozent der Anzeigenseiten. Bereits im Jahr 2009 haben sie rund ein Zehntel des Volumens verloren. Auch hier dürfte sich die Abwanderung von Lesern und Anzeigenkunden in Richtung Internet bemerkbar machen. Insgesamt haben die Verlage 2010 in ihren Programmies 11.186,63 Seiten verkauft.

Bei den einzelnen Titeln sind absolut die größten Gewinner: "Schöner Wohnen" - dank Jubiläumsheft mit 527,48 mehr Seiten als im Vorjahreszeitraum - und Condé Nasts "Myself" mit 257 zusätzlichen Seiten. Auch hier dürfte die Ausgabe zum 5. Geburtstag eine Rolle spielen. An dritter Stelle rangiert Gruner + Jahrs "Stern", der 233,94 Seiten mehr verkaufen konnte als im Vorjahr. 

Die größten Verlierer sind "Vogue", "Chip" und "CT". "Vogue" verliert 137,6 Seiten. Der Condé-Nast-Titel hatte allerdings 2009 groß sein 30-jähriges Bestehen in Deutschland gefeiert und damit von einer Sonderkonjunktur im Anzeigenmarkt profitiert. Die Computertitel "Chip" und "CT"  verlieren 130,9 beziehungsweise 111,54 Seiten.

Prozentual sind die größten Verlierer "Geolino extra" (-35,71 Prozent), "Eltern Mein Baby" (-35,18 Prozent) und "Girlfriends" (-27.98 Prozent). Auf dem Siegertreppchen stehen "Lustiges Taschenbuch" (105,26 Prozent), "Schöner Wohnen" (70,37 Prozent) und "Autozeitung Gebrauchtwagen" (68,96 Prozent). pap
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