Anzeigenpreise: Spiegel, Stern & Co. im Fünf-Jahresvergleich

Dienstag, 09. Oktober 2012
Die Auflagenzahlen bröckeln, die Anzeigenpreise steigen jedoch weiter
Die Auflagenzahlen bröckeln, die Anzeigenpreise steigen jedoch weiter


Vergangene Woche haben die Verlage die Anzeigenpreise für das kommende Jahr bekannt gegeben. Im Schnitt steigen die Bruttopreise mit dem Jahreswechsel um 2,5 Prozent. HORIZONT.NET hat sich aus gegebenem Anlass die Anzeigenpreisentwicklung der großen Magazine in den vergangenen fünf Jahren einmal genauer angeschaut. Dabei zeigt sich: Trotz kontinuierlich sinkender Auflagen kennen die Anzeigenpreise seit Jahren nur eine Richtung – nach oben. Allerdings sind die vom VDZ veröffentlichten Bruttopreise nur bedingt aussagekräftig. Denn unter dem Strich dürfte von den Preissteigerungen durch höhere Rabatte nur wenig bis nichts übrigbleiben. Angesichts der sinkenden Auflagen dürften sich echte Preiserhöhungen bei Kunden und Agenturen ohnehin kaum durchsetzen lassen. Die Bruttopreise sind also eher eine Bemessungsgrundlage für Preisverhandlungen als ein Abbild der realen Anzeigenpreise. Trotzdem ist der Blick auf die Entwicklung der Bruttopreise aufschlussreich: Zeugt er doch von dem Bemühen der Verlage, die Preise trotz der negativen Auflagenentwicklung zumindest konstant zu halten – oder wenigstens Selbstbewusstsein zu zeigen.

"Der Spiegel"

-
-
Beim "Spiegel" ist die verkaufte Auflage seit 2008 beispielsweise um über 100.000 Exemplare zurückgegangen. 2008 lag die Auflage des Nachrichtenmagazins noch deutlich über der Millionenmarke: Im Jahresschnitt verkaufte der "Spiegel" vor fünf Jahren noch 1.044.992 Exemplare. 2010 sank die Auflage dann erstmals unter die psychologisch wichtige Schwelle von 1 Million und geht seitdem kontinuierlich weiter zurück: Im vergangenen Jahr gingen im Schnitt noch jede Woche rund 950.000 Exemplare über den Ladentisch. Im laufenden Jahr hat sich der Abwärtstrend weiter fortgesetzt: In den ersten beiden Quartalen 2012 lag die verkaufte Auflage noch bei 920.099 Exemplaren.

Doch trotz der stetig sinkenden Reichweite hat der "Spiegel" seine Anzeigenpreise im gleichen Zeitraum Jahr für Jahr erhöht. Zum Jahreswechsel steigt der Bruttopreis für eine Anzeigenseite in 4c erneut um 1390 Euro auf dann 61.837 Euro.

-
-
Die Auflagenentwicklung des "Spiegel" seit 1995 finden Sie weiter unten im Bereich Medien-Charts

"Focus"

-
-
Etwas moderater fiel die Preisentwicklung beim "Focus" aus, der allerdings von 2008 bis 2010 einen heftigen Einbruch der verkauften Auflage verdauen musste. Während Hubert Burda Media 2008 im Schnitt noch rund 745.000 Exemplare seines Nachrichtenmagazins absetzen konnte, waren es zwei Jahre später nur noch 568.000 Stück. Der Verlag verzichtete zum Jahreswechsel 2010 immerhin auf eine Preiserhöhung. Zu einem Preisabschlag konnte man sich aber offensichtlich nicht durchringen.

Seitdem steigen die Preise aber auch beim "Focus" wieder – 2011 immerhin gestützt durch wieder anziehende Verkaufszahlen. Seit Anfang 2012 geht die Schere zwischen Anzeigenpreisen und Auflagenentwicklung aber auch beim "Focus" wieder auseinander. Im laufenden Jahr liegt die verkaufte Auflage noch bei rund 546.000 Exemplaren. Folglich musste sich der Verlag auch bei den Anzeigenpreisen zurückhalten und blieb zumindest unterhalb der Inflationsrate, die aktuell bei rund 2 Prozent liegt und im kommenden Jahr nach Meinung der meisten Experten wohl anziehen wird.

-
-
Die Auflagenentwicklung des "Focus" seit 1995 finden Sie weiter unten im Bereich Medien-Charts

"Stern"

-
-
Auch das Gruner+Jahr-Flaggschiff "Stern" musste in den vergangenen fünf Jahren mit einer anhaltenden Erosion seiner Verkaufszahlen leben. Seit 2008 sank die verkaufte Auflage der größten deutschen Illustrierten von knapp 980.000 Exemplaren auf aktuell noch knapp 812.000 Stück. Allein in den Krisenjahren 2009 und 2010 brach die Auflage um über 50.000 Exemplare ein. In den ersten beiden Quartalen 2012 lag die verkaufte Auflage des „Stern“ noch bei rund 819.000 Exemplaren.

Doch auch hier kannten die Bruttopreise nur eine Richtung: Nach oben. Für das kommende Jahr steigt der Bruttopreis für eine ganzseitige Anzeige allerdings nur um moderate 850 Euro auf 59.933 Euro – die Preiserhöhung liegt damit deutlich unter der allgemeinen Teuerungsrate der vergangenen Monate.

-
-
Die Auflagenentwicklung des "Stern" seit 1995 finden Sie weiter unten im Bereich Medien-Charts

"Bild am Sonntag"

-
-
Am deutlichsten hat sich die Schere zwischen der verkauften Auflage und den Bruttopreisen in den vergangenen Jahren bei der "Bild am Sonntag" geöffnet. Die verkaufte Auflage der Sonntagszeitung von Axel Springer ist seit 2008 um über 350.000 Exemplare zurückgegangen. Vor fünf Jahren lag die verkaufte Auflage noch bei durchschnittlich 1.719.408 Exemplaren. Im laufenden Jahr wechselten im Schnitt noch 1.366.590 Stück den Besitzer.

Der Bruttopreis für eine ganzseitige Anzeige ist im gleichen Zeitraum dagegen um über 10.000 Euro gestiegen. 2008 lag der Listenpreis für eine Anzeigenseite noch bei 69.903 Euro. Seitdem stieg der Preis jedes Jahr um mehr als 2 Prozent. Im kommenden Jahr ruft Axel Springer 81.150 Euro für eine Seite auf. dh

-
-
Die Auflagenentwicklung der "Bild am Sonntag" seit 1995 finden Sie weiter unten im Bereich Medien-Charts

Meist gelesen
stats